"Ist das nicht gefährlich?"

„Ist das nicht gefährlich“ ist ein Satz den Epilepsiekranke oder deren Angehörige gerne mal stellen. Darf ich in die Badewanne, kann ich Fahrrad fahren, darf ich Treppen laufen. Diese und viele andere Fragen ranken sich immer wieder um den Mythos Epilepsie. Oder, wenn ich solche Fragen höre, um die Geißel Epilepsie. Um nichts anderes scheint es sich meiner Meinung nach zu handeln, wenn man von solchen Fragen und Gedanken beherrscht wird. Manche Leute haben mehr Angst sich bei einem Anfall an einer Zigarette zu verbrennen, als daran an Krebs zu erkranken. Eine Wahrnehmung, die Alarmglocken schrillen lässt.

 

Was lässt Menschen so ängstlich werden… Sicher ist es, gehen wir mal vom optisch dramatischsten aller Anfälle, dem Grand mal, aus, eine niederschmetternde Erfahrung in der Öffentlichkeit einen Anfall zu bekommen. Dass dies zu Unsicherheit und Ängsten führt ist menschlich und näher betrachtet auch völlig nachvollziehbar. Aber bei allen diesen Fragen wird a) nicht nach nach Anfallsarten differenziert und b) geht die Frage nicht um Öffentlichkeit sondern um die Gefahr bei einem Anfall. Doch wie hoch ist eine solche Gefahr im allgemeinen Vergleich? Hat ein Nicht-Epilepsiekranker nicht genauso hohe Chancen sich eine Verletzung zuzuziehen?

Laut Verkehrs Unfallstatistik passieren besonders viele Unfälle beim Abbiegen an Kreuzungen. Fußgänger sind besonders gefährdet. Meiden wir nun alle Kreuzungen? Auch der Haushalt bietet massenhaft Möglichkeiten sich zu verletzen. Doch auch hier ist die Unfallursache keineswegs ein epileptischer Anfall, sondern reiner und purer Leichtsinn oder Hektik. Fensterputzen auf dem Bügelbrett, Telefonieren und das Baby auf dem Wickeltisch liegen lassen, kochen und mehrere Sachen gleichzeitig machen. Über hochstehende Teppichkanten oder herumliegende Kabel stürzen, Leitern nicht sicher aufstellen. Da fällt schon beim Lesen etwas auf, nicht wahr??? Viele dieser Dinge bekommen Anfallskranke vom Arzt her schon verboten. Die Folge: Wir sind vorsichtiger. Seit meiner Epilepsie achte ich dreifach auf sicheren Abstand vom Abgrund wenn ich Fenster putze. Vor meiner Epilepsie habe ich auch schon mal bei einem Dachfenster das Gleichgewicht verloren und mich böse verletzt. Heute räume ich zwar noch die Spülmaschine aus während ich mir die Zähne putze aber wenn ich koche, bleibe ich konzentriert dabei. Ich bin also von Haus aus viel vorsichtiger geworden aber prophylaktisch alles verbieten lasse ich mir nicht von meiner Epilepsie. Warum nicht??? Ganz einfach. Ich bin noch am Leben und leben heißt für mich lebendig sein, an allem teilhaben können, glücklich sein. Wenn ich beispielsweise den Aufzug nehme anstatt die Treppe zu laufen, dann könnte ich natürlich den Treppensturz verhindern. Ich verbrauche aber unnötig Strom, trainiere meinen Körper weniger (was ungesund ist) und laufe Gefahr einen Anfall im Aufzug zu bekommen und nicht entdeckt zu werden. Was ist da besser? Keins, natürlich nicht. Also tue ich das, was mir mehr zusagt, was für mich normaler ist, was ich auch ohne Epilepsie tun würde. Und zwar ohne mir Gedanken darüber zu machen. Und das kann man lernen.

 

Was ich damit sagen will, es kann immer etwas passieren, es gab auch schon viele Fragen diesbezüglich, aber wieso macht man sich als Epi ständig einen Kopf über Sachen über die man als Gesunder gar nicht nach gedacht hätte. Ich habe Epi weil ich als "Gesunder" leichtsinnig war. Als Epi würde ich nicht mehr ohne Helm fahren. Als Allergiker mit einer multiblen Allergie gegen alles was fliegt und blüht und wiehert, schließe ich mich auch nicht Zuhause ein, sondern gehe raus in die Natur. Mit Medikamenten, klar - aber 100% Schutz geben die mir auch nicht. Und wenn ich alleine im Wald einen Asthmaanfall bekomme, könnte das auch ziemlich dumm ausgehen. Aber ich will nicht auf die Natur verzichten. Und auch nicht auf die Stille und Einsamkeit des Waldes. Für mich ist die Natur alles, auch wenn mein Körper das etwas anders sieht. Aber das ist für mich Leben. Seltsamerweise hat mein Körper, seit ich meinen Kopf ausgeschaltet habe, sehr viel weniger mit allergischen Anfällen reagiert als vorher. Weniger Gedanken, weniger Asthmaanfälle, weniger Notfallmittel. Klingt komisch, ist aber so. Den Grund kenne ich nicht und ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Ich genieße es einfach und verschwende keinen Gedanken mehr an das „was wäre wenn“.

 

Früher bekam ich einen Asthmaanfall wenn der Wind von der Weide des Nachbarortes kam, heute bleibe ich bei den Pferden stehen und beobachte sie. Total verrückt und vielleicht auch riskant aber ich genieße es. Und mit jedem einzelnen Asthmaanfall den ich weniger bekomme, steigt meine Lust auf die Natur. Es ist herrlich wenn man die Angst abgebaut hat. Dasselbe habe ich bei meiner Epilepsie geschafft. Ich hatte dissoziative Anfälle entwickelt. Die Angst vor einem epileptischen Anfall bescherte mir einen dissoziativen Anfall. Bis ich es schwarz auf weiß hatte. Die Epilepsieklinik bestätigte die Vermutung dass sich durch meine Angst etwas Neues entwickelt hatte, eine neue Art der Krampfanfälle. Aber nun hatte ich die Chance dagegen anzugehen. Auch hier war ein erster Schritt das Laufen alleine in der Natur. Mein Mann kannte zwar den Weg, den ich Laufen wollte aber er rief nur an wenn ich meine Zeit überzog. Mit jedem einzelnen Lauf wurde ich sicherer. Das Laufen tat mir physisch und psychisch so gut, dass wir uns einen Hund zulegten der mich zwang jeden Tag in den Wald zu gehen. Ein Durchbruch für mich. Danach wurde ich Faschingsprinzessin und ging das Wagnis ein auf der Bühne einen Anfall zu bekommen. Doch der Spaß überwog die Unsicherheit und wieder war mir ein Schritt gelungen. Ich ging immer ein Schrittchen weiter, traute mich mehr und heute bin ich fast anfallsfrei und die Anfälle die ich bekomme sind so klein, das man sie fast gar nicht mehr mit bekommt als Außenstehender. Ich bemerke sie natürlich immer noch und finde sie auch immer noch nicht witzig aber sie bestimmen mich nicht mehr. Jetzt habe ich die Zügel in der Hand und bestimme mein Leben alleine. Bis aufs Auto fahren tue ich alles was ich möchte und das wird auch noch sehr lange so bleiben.

 

Ein sehr interessantes Beispiel ist da eine Bekannte von mir, die eine sehr schwere Epilepsie hat. Sie ist nicht einstellbar und hat mehrfach am Tag Grand mal Anfälle. Sie goss sich dabei einen Topf kochendes Wasser über und hatte dabei wirklich schwere Verbrennungen. Trotzdem lebt sie weiter alleine und kocht. Sie nimmt ihre starken und täglich mehrfachen Anfälle gerne für ihre Freiheit in Kauf. Wenn man ihre täglichen schweren Anfälle und die Verletzungen die sich dabei zuzieht vergleicht, ist Letzteres sehr selten. Aber sie hat ihre Freiheit, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag.

 

Jeder muss für sich selbst entscheiden was für ihn persönlich wichtiger ist, die absolute (vermeintliche) Sicherheit oder einfach nur Leben!!!

 

Ich wünsche Jedem, dass er seinen persönlichen Weg findet

Ihre Anja D. Zeipelt

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Kommentare: 14
  • #1

    Wolfgang (Dienstag, 21 Juni 2011 17:44)

    Ich bin durch Zufall auf Deine Blog-Artikel gestoßen. Es ist wunderbar wie Du die einzelnen Themen beschreibst. Zu diesem Thema möchte ich sagen, dass hier Gelassenheit und Aufklärung eine sehr grosse Rolle spielt. Ich denke hier spielt auch viel Angst um einen lieben Menschen mit, der natürlich selbstständig sein will. Auch das Loslassen der Eltern zum Epilepsiekind/jugendlichen will gelernt sein. Bei manchen Eltern klappt das wunderbar, bei anderen wiederum überhaupt nicht. Ich denke , eine Vertrauliche Basis zwischen Eltern und Epipatienten sollte schon da sein.
    Die Angst es könnte ja was passieren ist bei Epileptikern besonders groß. Aber durch die Überbehütung wird alles nur noch komplizierter. Eine Lösung dieses Themas wird es wohl nie geben, denn jeder Epikranke ist anders . Da spielt der eigene Wille etwas erreichen zu wollen, eine grosse Rolle.
    Und hier muss jeder seinen Weg selber finden und das ist für einen Epileptiker schwer genug.
    Liebe Grüsse
    Wolfi

  • #2

    Anja (Dienstag, 21 Juni 2011 19:48)

    Danke Wolfgang, das freut mich sehr. Ich mache auch brav weiter ;-)

  • #3

    Dieter (Dienstag, 21 Juni 2011 20:38)

    @Anja das hoffen wir doch ;-)
    Zu Deinem Thema: Ich kenne eine junge, sehr selbstbewusste Frau. Sie hat auch Epilepsie(und ist auvh körperlich behindert), bestand aber auf eine eigene Wohnung. Ihre Eltern (sie haben sich wohl sehr überwinden müssen) halfen ihr bei der Einrichtung und Gestaltung der Wohnung. Das ganze Haus hat eine ärztliche Rufanlage, und da kann sie Tag und Nacht wenn nötig einen Notruf machen. Dies alles ist natürlich nicht billig, die Eltern haben sich das schon was kosten lassen! Aber so kann Elternliebe auch aussehen. Dies alles ist für die Frau in gewisser Hinsicht auch gefährlich, aber sie ist glücklich. Natürlich kommt Vater oder Mutter mal vorbei, aber sie sehen selbst, dass ihre Tochter zufrieden und glücklich ist. Sowas gibt es auch, ist aber eher die Ausnahme. Ich will hiermit sagen, das Epikranke oder köperlich behinderte auch selbstständig sein wollen und auch können.
    Grüssle
    Dieter

  • #4

    Marianne (Mittwoch, 22 Juni 2011 20:37)

    Hallo Anja
    Es ist toll wie du dein Leben schon in so kurzer Zeit deiner Epi-Erkrankung in den Griff gekriegt hast!Bei mir selbst dauerte es viel länger,ich erkrankte mit 13Jahren.Lange wurden Anfälle als psychosomatische dargestellt,da einfach in allen EEG`s und MRI`s nichts zu sehen ist ausser gerade bei den Anfällen.Ich lebte jedoch mein Leben gleich weiter trotz allen Arztbesuchen,Spitalaufenthalten,Psychiatrischen-Gesprächen,etc.was ich jedoch einen grossen Fehler machte in einer Phase der Krankheit mit 18J-ca22J.verkümmerte ich mich im Selbstmitleid.Ich hatte zwar mit 21jährig meine erste Ausbildung zur Krankenpflegerin beendet,und sollte ja stolz sein auf mich.Doch meine Krankheit war zu stark für mich und ich konnte mich noch nicht damit auseinandersetzen,so absolwierte ich auch bald darauf eine Zweitausbildung zur Postbotin.Doch auch dies war zu viel für meinen Körper da ich immer noch keine richtigen Medikamente hatte gegen die Epi,so verbrachte ich 4Mt.in der Epi-Klinik in Zürich.Von da an ging es nicht bergauf war auch nicht stabil mit der Epi sie fanden einfach den Auslöser nicht.Den Herd wussten wir wo er liegt.Ich Konnte dennoch meine beiden Kinder in den Jahren93und95 gesund zur Welt bringen,was mir sehr viel Freude bereitete ich lebte seit 22-jetzt auch ein ganz normales Leben trinke zwar keinen Alkohol da ich wirklich 17Tbl.am Tag schlucken muss.Hob meine Kinder auf wie jede andere Mutter auch wenn ich wusste es geht mir nicht gut ging ich automatisch aus den Boden und mache dies auch heute noch gehe dann auf allen vieren,tönt jetzt evtl.blöd doch ich habe mich so an meine Krankheit gewöhnt und lebe mit ihr,wie jemand der beispielsweise nur mit einer Zehe auf die Welt kommt oder sonst einer Behinderung.Auch wir Epi-Kranken können es wirklich lernen mit der Krankheit umzugehen und zuleben.Nur eines dürft ihr nie meinen Fehler machen euch im Selbstmitleid verkümmern! So könnt ihr viel in eurer Familie kaputt machen das euch evtl. keiner mehr verzeiht. Ich meinerseits habe viel gelehrnt in meinem Leben und auch meine beiden Kinder sind durch mich und meine Krankheit respk.Krankheiten,da ich noch Morbus-Bechterew habe sehr erwachsen,hilfsbereit und selbständig geworden. Zwar ist meine Ehe und auch meine nachgefolgte Partnerschaft auseinandergefallen da die Männer nicht klar kamen mit der Epi.So bin ich lieber alleine und lache trotzdem noch und habe begonnen ein Buch zuschreiben über mein Leben und meine Krankheiten.Ich wünsche dir Anja alles Liebe und mach weiter so und Allen andern natürlich auch liebe Grüsse Marianne

  • #5

    Benji (Donnerstag, 23 Juni 2011 09:22)

    Hallo Anja,
    dieses Thema finde ich absolut spannend!!! Also ich muß sagen, diese Krankheit hat mir schon allerhand Überraschungen bereitet. Unfälle sind geschehen, da haben Andere immer schon gesagt: Du mußt super Schutzengel haben. Und es passierte nicht mal aus Leichtsinnigkeit. Einmal war ich unser Treppenhaus am Putzen. Ein Podest und 15 Marmorstufen. Ich fing an zu putzen, auf einmal werde ich wach, lag vor der Wohnungstür meiner Mieterin eine Etage tiefer. Niemand war im Hause. Niemand hat es mitbekomme. Mein Schädel hat ein paar Prellungen und der Putzeimer ist über die Stufen ausgelaufen, der Putzlappen lag neben meinem Schrubber noch oben auf dem Podest. Also konnte es nur so gewesen sein, ich hatte einen Anfall, und bin irgendwie die Treppe heruntergefallen. Anschließend hatte ich mir eine Putzfrau dafür besorgt. Dann beim Gardinenaufhängen stand ich auf der Leiter, und machte die Röllchen in die Schiene. Dann wurde ich wach, und lag auf dem Steinboden vor dem Fenster. Super!!! Seitdem habe ich nie mehr, wenn ich allein war, die Gardinen aufgehangen. Ein anderes Mal machte ich mir meine Pommes selbst in der Friteuse, schmecken mir besser. Nur, Pech, ich werde auf dem Küchenboden wach, und die Friteuse stand über mir auf dem Küchentisch und war voll in Aktion. Anfall und ich hatte nichts bemerkt. Dannach machte ich mir meine Pommes immer in dem Backofen. Die beste Situation war, als kurz allein im Auto saß, und auf meinen Mann wartete, kam ich wieder zu mir, und hatte die gesamte Innenverkleidung aus unserem Jeep in der Hand. Ich hatte sie aus der Tür gerissen. Mein Mann kam zurück zum Auto und war sprachlos. Ich denke, man kann Einiges überlegt angehen, aber man kann nicht auf Alles achten. Ich konnte bei der großen Anzahl von Anfällen nie einschätzen, wenn wieder was passiert. Ich stand einmal vor unserer Haustür und war mit meinem Hund gassi. Ich sah zu wie er auf der Straße lief, und wurde wach, lag auf dem Boden, und mein Hals und Kopf, Alles tat mir weh. Als ich geröntgt wurde, stellte man fest, ich hatte mir den 2. Halswirbel gebrochen, ich mußte also auf den Blumenkübel hinter mir mit meinem Nacken aufgeschlagen sein. Mein Arzt meinte nur noch: Sie sind kurz an einer Lähmung vorbei gegangen!!!! Dieses Thema ist sehr interessant und manchmal auch unglaubwürdig für gesunde Menschen. Vielleicht meinen viele auch man würde übertreiben, aber es ist so gewesen. LG Benji. Anja, auch diesen Aspekt in den Vordergrund zu stellen, war eine Superidee. Meine Bewunderung. P.S. Mach weiter so. Benji

  • #6

    Marco Holzemer (Donnerstag, 23 Juni 2011 20:41)

    Hallo,
    ich finde das Thema auch sehr wichtig und spannend.
    Vielleicht habe ich in dieser Hinsicht eine etwas radikale Meinung. Wenn ich etwas mache, bin ich, wie Anja schon richtig sagt, sehr vorsichtig. Sollte mir dennoch etwas passieren, und ich komme dadurch so zu Schaden, dass es irreversibel ist, dann ist es halt so. Oder ich käme durch einen Anfall, bzw. den Folgeschäden zu Tode, dann nehme ich das so in Kauf.
    Das soll heißen, ich nehme den Tod in Kauf, sollte ich bei etwas gefährlichem, für nicht Epilepsiekranke aber fast alltäglichen, zu Schaden kommen.
    Selbst jetzt, in diesem Augenblick, könnte ich ja dann sagen: "Ich mach was, was für Epleptiker nicht sehr förderlich ist. Ich sitze vor einem PC und könnte dadurch Anfälle auslösen." Aber ich sitze halt davor. :-)
    LG
    Marco

  • #7

    Dieter (Donnerstag, 23 Juni 2011 21:41)

    Die letzten beiden Einträge haben mich schon sehr nachdenklich gemacht. Es ist ja durchaus nachvollziehbar was alles bei einem Grand-mal passieren kann. Und bei Dir Benji sind es schlimme Stürze . Auch bei John möchte ich behaupten, dass er sehr an das was eventuell passieren könnte denkt. Das sind alles Fälle die nur bei großen Anfällen eintreten und das sind 5% aller Epilepsien. Will sagen, das die 95 % lange nicht so dramatisch verlaufen. Sie sind trotzdem beeinträchtigend und lassen einen den Tagesablauf mit einem sogenannten "gesunden" Menschen nicht vergleichen. Aber wir sollten hier im Blog doch keine Angst verbreiten, sondern einfach die Möglichkeiten erwähnen, die wir noch machen können. Es ist ja durchaus machbar, sein Leben so zu verändern und solche Arbeiten zu machen , die man problemlos fertigbringt. Ich habe mein Leben völlig umgekrempelt, nachdem ich merkte , dass ich keine körperliche Arbeit mehr machen konnte. Mehr als Strassenfegen ist bei mir nicht mehr drin, wenn ich wie früher arbeiten würde, ist ein Anfall die Folge. Das weiß ich und richte mich danach. Da ich jetzt etwas mache das mich ausfüllt und auch sehr zufriedenstellt , ist ein Ausgleich geschaffen den ich mir früher nie hätte vorstellen können. Durch meine Selbsthilfearbeit sehe ich , wie es anderen geht. ich merke auch, dass ich anderen helfen kann. Das ist für mich Therapie. Und ähnliches kann ich anderen nur empfehlen. Natürlich tut es mir im Herzrn weh, wenn ich sehe wie meine Frau meine frühere Arbeit macht. Es war für mich wahrlich eine schwere Entscheidung. Aber realistisch betrachtet , die richtige. Meine Frau und ich haben uns arrangiert, Gottseidank.
    Eines muss ich noch unbedingt sagen, meine Selbsthilfearbeit war mein Wendepunkt in meinem Leben. Es ist wunderbar, von anderen Mitbetroffenen Zuversicht, Kraft, Hoffnung und sogar Freundschaft zu bekommen. Diese tolle Austauscherfahrung bringt nicht nur mir eine neue Lebensqualität, sondern es setzt auch bei anderen ungeahnte Energien frei, von denen man vorher nicht zu träumen wagte.
    Ganz liebe Grüsse
    Dieter

  • #8

    Anja (Freitag, 24 Juni 2011 08:20)

    Jetzt legt Ihr aber los... Also das einer am PC gestorben ist habe ich noch nicht gehört ;-)
    Bei den heutigen Bildschirmen ist auch kein Geflimmer mehr, was bei Photosensiblen Epis kritisch hätte werden können. Aber auch die Epilepsiekranken die Photosensibel sind machen nur einen geringen Prozentsatz aus - ich bin mir nicht mehr sicher wieviel genau aber es waren auch gerade mal um die 5%.

    Dieter hat recht, hier melden sich bisher nur Menschen mit generalisierten Anfällen zu Wort (außer mir), das wirft ein sehr einseitiges Licht auf die ganze Sache.
    Und ich wiederhole mich da gerne: Einen Unfall bauen kann ich auch woanders, von Sterben will ich gar nicht reden, denn das ist ein ganz anderes Thema.

    Auch sollte man erwähnen, das hier Menschen schreiben sie auch noch andere körperliche Probleme haben, die man nicht mit der Epilepsie vermischen sollte - oder es dabei schreiben.
    Sonst entsteht eine ungesunde Schieflage eines Themas, mit dem ich eigentlich Mut machen wollte.

    Alles Liebe
    Anja

  • #9

    Jenny (Freitag, 24 Juni 2011 09:00)

    Sooooooo.......da möchte ich nun auch mal meinen Senf dazu geben. Es bin nicht ich die Epilepsie hat sondern mein Sohn. Es war am Anfang auch ganz schwierig für mich "loszulassen" Ständig habe ich ihn in Watte gepackt.....aber ZUM GLÜCK konnte ich mich ändern :-)
    Er soll die Chance haben genauso gross zu werden wie jedes andere Kind auch. Dazu gehören auch Stürze beim Farrad fahren......oder beim Roller fahren oder oder.......Ich bin glücklich wenn mein Kind es ist und dafür tue ich alles............:-) :-) :-)

  • #10

    Dieter (Freitag, 24 Juni 2011 10:24)

    Super, Jenny. Ich weiss, dass es schwer fällt loszulassen, aber Dein Sohn fühlt sich jetzt freier und das Gefühl, ich kann was, kommt noch dazu. Das ersetzt vieles. Toller Beitrag ;-)

  • #11

    Marco (Dienstag, 28 Juni 2011 15:48)

    Ich wollte mit meinem Eintrag auch keine Angst machen, sondern ich wollte damit nur sagen, dass ich auch Dinge mache, die gesunde Menschen auch tun.
    Ohne mir darüber große Gedanken zu machen. :-)
    Wenn dadurch ein falscher Eindruck entstanden sein sollte, tut mir das sehr leid. :-(

    lg Marco

  • #12

    isa (Freitag, 01 Juli 2011 23:34)

    hallo,meine tochter 10 j.ist geistig behindert und hat jeden tag 3-5 sturzanfälle.es kam auch schon dazu das sie sich die zunge durch gebissen hat,zähne raus geschlagen ect.seit sie diese sturzanfälle hat,hab ich mega angst und pack sie nur in watte und mir tut es verdammt dolle weh sie nicht mehr so rennend,spielend,ect. zu sehen.gebt mir doch mal n tip wie ich alles besser machen kann.danke

  • #13

    Anja (Samstag, 02 Juli 2011 15:30)

    Liebe Isa, dazu kann ich Dir ehrlich gesagt garnichts sagen. Wir reden hier primär von Epilepsien die ohne eine andere Grunderkrankung einher gehen. Bei einer gesitigen Behinderung würde ich davon ausgehen dass Du als Mutter der absolute Spezialist bist. Man hört ja immer wieder dass das Mutter Tochter Verhältins da noch viel enger ist als bei anderen gesunden Kindern. Das abnabeln, was andere Kinder so herbei sehen findet ja bei Euch nicht in der Form statt, nehme ich an.
    Auch die Gefahren kannst Du in diesem Fall am besten einschätzen, da die Entwicklung sicher nicht in eine Form zu pressen ist.

    Ich wünsche Euch aber ganz ganz viel Gutes und dass Du den Königsweg für Euch findest.

    Ganz liebe Grüße
    Anja :-)

  • #14

    nicki (Dienstag, 09 Dezember 2014 07:50)

    Ich leide nicht so sehr unter meiner Epilepsie, sondern eher durch das Missverständnis anderer "gesunder" Menschen. Es wird ach-wie-doll- Verständnis getan und was wird gedacht??? Im Grunde doch wirklich, dass man bekloppt ist oder geistig behindert oder so ein Mist. Bei der Arbeit werde ich wie in Watte gepackt und das ist echt schlimm (übrigens bin ich 38 Jahre alt). Ich denke, da muss man nicht in Watte gepackt werden. Es ist echt schlimm.