(Er)leben lassen

Wie häufig stehen wir einem Kranken, Schicksalsgebeutelten, Trauernden u.s.w. gegenüber, schütteln ihm die Hand und sagen „das kann ich verstehen“ oder „das kenne ich“.


Genauso oft hören wir Sätze wie „wenn mir das passiert wäre, dann hätte ich dies und jenes gemacht“. Speziell bei Dingen die wir nicht greifen können sind solche Sätze schnell gegeben.

Wenn ich vor 12 Jahren von Kindesmissbrauch hörte, sagte ich stets „den Mistkerl würde ich umbringen!!!“ Als genau das ein Jahr später meinem eigenen Kind passierte war ich still. Ganz still. Denn alles war anders als ich erwartet hätte, es fühlte sich auch ganz anders an, so beunruhigend strategisch ruhig. In meinem Herzen brodelte der Hass, aber in meinem Hirn ratterte die Logik. Und in meinem Herzen eine Sorge, die den blinden Hass weit überlagerte.

Was nützte jetzt noch die Rache? Was jetzt zählte waren kluge Entscheidungen mit klarem Kopf und das Wissen für mein Kind, das die Eltern sein Fels in der Brandung sein würden.

Natürlich erstatteten wir Anzeige und taten alles, damit so wenig Spuren wie möglich im Leben unserer Familie verbleiben würden. Trotzdem ist und bleibt es ein Teil unserer Familiengeschichte und mit jedem neuen Fall wird es wieder präsent, doch wir leben ganz normal weiter, mit Hilfe einer Therapeutin. Aber wenn ich das getan hätte was ich noch ein Jahr zuvor prophezeit hatte, dann wäre unser aller Leben zerstört gewesen.


Was ich damit sagen will, wenn man die Situation nicht selbst erlebt hat, dann hat man keine Ahnung wie man sich fühlt oder was man tun würde. Leere Sprüche, nervende Phrasen, sind das Einzige was wir dazu beisteuern können und ich kann nur Jedem raten sich bei Betroffenen mit solchen Kommentaren zurück zu halten…

 

Was hat das alles mit Epilepsie zu tun, werden sich so Einige fragen. Andere haben die Parallelen vielleicht schon wieder erkannt. Auch hier kommen wir immer wieder in die Situation wo wir mit gutgemeinten Ratschlägen bombadiert werden.

Natürlich gibt es das auch bei anderen Krankheiten aber kaum eine Krankheit fühlt sich so intensiv an und läuft so extrem über die Psyche wie die Epilepsie.

Und das kann keiner nachempfinden. Wir selbst finden kaum die passenden Worte für die Beschreibung, wie sollte es ein anderer da verstehen können. Viele Krankheiten kann man mit körperlichen Beschwerden beschreiben, wie z.B. Erbrechen oder Durchfall, Bauch- oder Kopfschmerz, da sie jeder schon mindestens einmal erlebt hat – aber wie beschreibt man Epilepsie???


Man kann vielleicht noch die Symptome beschreiben die gängigen Erlebnissen entsprechen. Beispielsweise das schmecken oder riechen von Dingen. Schwindelgefühle kennt sicher auch jeder und zittern und Blackouts sind auch vielen Menschen bekannt. Doch das alles beschreibt nur ein Minimum der möglichen Symptome und auch nur das was wir im Moment eines Anfalls erleben, doch das was wir als Mensch erleben, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

 

Ich möchte hier ganz bewusst das Beispiel eines an Epilepsie erkrankten Kindes heraus heben, das mit täglichen oder wöchentlichen Anfällen geplagt wird. Einmal, weil ich in meinen letzten Berichten gerne die weniger schweren Fälle in der Vordergrund schob und zum Zweiten, weil es hier sehr gut zu beschreiben ist.

 

Das Kind, ich nenne es Sophie, hat seit seiner Geburt epileptische Anfälle. Sophie hat so genannte Grand mal Anfälle und kennt es auch nicht anders. Das etwas an ihr nicht stimmt merkt Sophie zum ersten mal an den Reaktionen ihrer Familie. Die immer besorgten Gesichter, das ewige belauern und fern halten von anderen Kindern, wenn diese auf Kinderrutschen gehen oder auf Kletterspielzeuge. Da Sophie es aber nicht anders kennt, macht es ihr auch nicht sehr viel aus. Sie hält es für normal. Dann aber erfolgt die Einschulung und die Lehrer verhalten sich Sophie gegenüber anders, vielleicht sogar ängstlich.

Mittlerweile ist Sophie soweit medikamentös eingestellt das sie nur noch monatliche Anfälle bekommt und doch merkt sie, das sie anders behandelt wird als andere Kinder. Das Gefühl ein Außenseiter zu sein ist das Schlimmste. Sophie kann noch nicht erklären was an ihr anders ist und die anderen Kinder können nicht erklären warum ihre Eltern so komisch auf Sophie reagieren.


Einige Jahre später verhalten sich auch die Kinder seltsam. Es wird getuschelt und gelacht und Sophie weiß nun ganz genau dass das alles mit ihrer Epilepsie zusammen hängt. Ihre Eltern belagern sie zwar mittlerweile nicht mehr so schlimm wie früher, sind aber trotzdem immer präsenter als die Eltern aller anderen Kinder. Nicht selten bringt dass Sophie den Spitznamen „Baby“ ein.

Nach dem Abi dann der Befreiungsschlag, Sophie musste auf eine fremde Uni und zum ersten Mal von Zuhause fort. Neue Menschen, neue Ziele, zum ersten Mal Selbstständigkeit. Ihre Eltern waren dagegen, doch Sophie wusste, dass das ihre einzige Chance war aus dem goldenen Käfig auszubrechen, ihre Chance erwachsen zu werden - also ging Sophie.

 

Zum ersten Mal im Leben hatte sie das Gefühl ein eigenständiger Mensch zu sein. Die mütterlichen Kontrollanrufe ignorierte Sophie wenn es ihr zu viel war und von den gelegentlichen Anfällen bekamen ihre Eltern nichts mehr mit. In ihrer WG gingen alle total easy mit Sophies Anfällen um und so bekam sie ein Selbstbewusstsein das sie immer mehr zu neuen Taten antrieb.

Auch wenn immer alle Sophie versicherten das sie wüssten was in ihr vorging, hatte tatsächlich nicht Einer auch nur die geringste Ahnung.

 

Wer will denn verstehen wie es ist wenn man sich in seinem eigenen Körper gefangen fühlt. Wer weiß schon wie es ist wenn man die Kontrolle über sein ganzes Tun und Sein verliert und wie es sich anfühlt wenn diese lauernden Anfälle sich anschleichen.

Das kann keiner verstehen der es nicht selbst erlebt hat.

 

Dasselbe gilt für die Überfürsorge der Eltern, den Streit den sie haben weil sie sich uneinig sind wegen der Erziehung des Kindes. Hier geht es nicht mehr um Förderung des Kindes sondern um Beschützen. Und das arme beschützte kleine Mädchen will nichts mehr als seine Ruhe haben.

Die Fragen der Lehrer im Schullandheim vor allen Schülern sind genauso unangenehm wie das ausgrenzen bei manchen Sportarten. Viele sagen, sie würden es verstehen aber wer es nicht erlebt hat, kann es nicht verstehen.

 

Ich selbst habe es nicht als Epileptiker erlebt sondern infolge eines Luftröhrenschnittes mit anschließendem künstlichen Koma. Was mir blieb war schweres Asthma auf das man in damaliger Zeit noch keine passende Antwort hatte. Heute bekommt man Aerosole für Notfälle oder zur Vorbeugung, damals sahen die Notfallmaßnahmen noch sehr viel dramatischer aus. Und ich fand es nicht lustig!!!

Als ich mit 15 anfing zu rauchen, war das reine Auflehnung gegen diese Krankheit und die Überversorgung meiner Eltern. Ich ging auch jahrelang nicht mehr zur Prophylaxe beim Arzt und nahm lieber Anfälle in Kauf.

Ich boykottierte diese Krankheit nach allen Regeln der Kunst. Drei Jahre später war ich ausgezogen und übernahm endlich selbst die Verantwortung für mich. Prophylaxe und tägliche Medikamente gegen das Asthma sind seitdem selbstverständlich und rauchen tue ich auch nicht mehr.

 

Was ich aber nicht mache, ist alles, was einen Asthmaanfall auslösen könnte zu vermeiden. Ich entwickelte multible Allergien gegen Gräser, Pollen, Staub, Tiere u.s.w. und damit waren plötzlich überall Anfallsauslöser, egal wo ich hin ging.

Gerade als ich dachte mehr Einschränkungen gingen nicht mehr, bekam ich dann noch meine Epilepsie und damit die Krönung zu meinem „du darfst nicht“ Lebenswandel.

 

Immer wieder „hast Du Deine Tabletten genommen“, „pass auf, hier sind Reiter die haben Pferdehaare an der Kleidung“ und mahnende Blicke meiner besorgten Familie machten mir das Leben leid. Und immer wieder dazwischen „ich kann ja verstehen, aber…“

Unsinn, keiner kann etwas verstehen nur weil er dabei zusieht. Man muss es erlebt haben um zu wissen wie es ist ausgegrenzt zu werden oder sich selbst ausgrenzen zu müssen.

 

Und ich hatte nun die Nase voll. Ich mied die ersten beiden Jahre alles und dann begann ich meine Allergien zu ignorieren. Ein Allergiepillchen jeden Tag und langsam aber sicher näherte ich mich wieder allem was ich jahrelang gemieden hatte.

In der Tasche hatte ich immer das Notfallspray und mutig ging ich meinen neuen Weg. Mit diesen Maßnahmen schien sich aber auch ein Schalter in meinem Kopf umzulegen. Ich hatte keine Angst mehr vor der Natur, ich genoss sie wieder. Jeden Tag ein kleines bisschen mehr.

Zwei Jahre später konnte ich die Pollenschutzgitter an dem Schlafzimmerfenster entfernen und heute schaffe ich sogar Tage komplett ohne Tabletten in der freien Natur – und ich liebe es!!!

In der Zwischenzeit kauften wir uns sogar einen Hund und es ist herrlich mit ihm zu spielen – und, meine Allergie gegen die meisten Hunde ist futsch. Bei der Epilepsie machte ich es dann genauso, ich probierte immer mehr aus und stellte immer öfter fest dass mein Kopf eine große Rolle spielt. Viele Dinge vertrage ich gar nicht, andere wiederum machen mir nichts mehr aus – vielleicht weil ich mir keinen Stress mehr mache???

 

Das was wirklich stresst sind die Kommentare anderer. „Darfst Du das?“ „Passiert da auch nichts?“ „Ich verstehe das“. Meine Güte, was für Phrasen.

Ob ich das darf? Nun ja ich habe vielleicht Epilepsie, bin aber nicht intelligenzvermindert, also werde ich wohl nichts tun was ich nicht darf oder vertrage. Und wenn, wird es plausible Erklärungen geben.

Ob was passiert? Ich habe keine Ahnung, genauso wenig wie der Skifahrer der sein Leben lang die Loipen runter fährt oder der Autofahrer der jeden Tag zur Arbeit fährt. Ihr versteht das??? Ich will es mal so ausdrücken, Ihr glaubt vielleicht es zu verstehen, tatsächlich versteht es aber nur der, der weiß wie es sich anfühlt wenn eine Aura kommt. Der die Unsicherheit kennt, wenn Neugierige einen anstarren oder wer das Bedürfnis nach Freiheit gespürt hat, weil er sich lange im eigenen Körper eingesperrt fühlte.

Das Gefühl , wie es ist den Fahrtwind zu spüren, wie erhebend es ist etwas alleine zu tun und wie mies man sich fühlt wenn man behandelt wird als wäre man unfähig eine eigene Entscheidung zu treffen, nur weil man anders ist oder etwas schlimmes erlebt hat.

 

Anders herum können wir auch nicht erwarten dass uns die Menschen verstehen.

Meines Erachtens, ist das auch gar nicht nötig.

Meine Kinder und Freunde tun auch Dinge die ich nicht verstehen kann, genauso wie ich Dinge tue die sie nicht verstehen können. Das Einzige was hier zählt ist das Verständnis das Jeder seinen eigenen Weg finden muss und das man die Menschen die man liebt und deren Entscheidungen toleriert.

Wir sind nicht alle gleich und fühlen auch nicht alle gleich aber in einem unterscheiden sich die wenigsten. Beinahe jeder hat Wünsche und Träume für seinen Weg zum Glück. Wir alle wollen uns wohl und lebendig fühlen und gehen oftmals verschlungene Wege bis zu unserem Ziel.

Aber es ist unser Weg. Und auch wenn ihn nicht jeder verstehen kann, kann ihn uns auch keiner (ab)nehmen und das ist das was zählt und uns so individuell macht.


Ich wünsche allen einen aufregenden, aber glücklich machenden Weg.


Ihre Anja Zeipelt

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Dieter (Mittwoch, 06 Juli 2011 08:56)

    Es ist für jeden Menschen nicht nachvollziehbar etwas zu verstehen oder zu begreifen, vor dem man selbst Angst hat. Ich habe eine Schwester, deren Familie ihren 23-järigen Sohn durch einen Verkehrsunfall verloren hat, eine Schwägerin, die seit 2 Jahren im Wachkoma liegt und einen nahen Bekannten, der vor kurzer Zeit Selbstmord gemacht hat. Das alles sind Ereignisse, die einen sprachlos machen. Man findet keine Worte der Erklärung, Ermutigung oder eine Richtung, wie es weitergehen soll kann man hier schwer geben, ohne den Betroffenen zusätzlich zu verletzen. Die Betroffenen selbst, können solch schlimme Ereignisse ihr Leben lang nicht verarbeiten. Es sitzt tief im Herzen und kann nicht geheilt werden, selbst Psychologen kommen hier an ihre Grenzen.
    Bei Epilepsie ist das zwar anders, man verliert keinen Menschen, aber der Epilepsiekranke wird anders und mit ihm das ganze Umfeld. Seine Lebensplanung wird auf den Kopf gestellt und viele, sehr viele, finden keinen vernünftigen neuen und akzeptablen Weg. Für alle diese schlimmen Ereignisse gibt es keine Medikamente keine wirkliche Hilfe. Die Betroffene Familie muss ganz alleine damit klarkommen, ein Rezept dafür gibt es aber nicht.
    Dies alles scheint in unserem Menschsein bei genauem Betrachten, eher eine Normalität zu sein. Der eine schreit seinen Schmerz hinaus, während der andere alles in sich hineinfrisst und langsam verkümmert. Es gibt so vieles das wir nicht verstehen können, aber ich möchte behaupten, dass Liebe, wahre Liebe helfen kann, diese Klippen zu bewältigen.
    Liebe Anja, du hast mich zum Psychologen gemacht.
    Auch ich wünschen allen Kranken, seien es Epileptiker oder sonstige chronisch Kranke viel Kraft für den Lebensweg den sie beschreiten müssen. Dieser Weg kann auch eine Chance sein.
    Lieber Gruss
    Dieter

  • #2

    Simone (Freitag, 08 Juli 2011 12:22)

    Ich habe gelernt mit der Epilepsie zu leben. Es war nicht immer leicht, damit zurecht zu kommen. Schon gar nicht am Anfang. Nach den ersten G.M. schrumpfte immer mehr mein Freundeskreis, was mir blieb sind nun "echte" Freunde.
    Ich bin damals aus heiterem Himmel schwer erkrankt. Meine Kinder waren damals noch sehr klein.
    Was ich aber nie verloren habe, meinen Humor, mein positives Denken.
    Bzgl. der Epilepsie, wir können nur immer weiter versuchen damit in die Öffentheit zu gehen, die Leute aufklären das dies nicht ein "Schreckgespenst" ist.
    Wir können nicht von jedem verlangen, dass er sich mit sowas auskennt und uns versteht.
    Ich finde egal was man für eine Krankheit hat, man soll nie vergessen, wie schön eigentlich das Leben ist, wie schön es ist sich an klitzekleinen Dingen zu erfreuen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.
    Also weiterhin Kopf hoch
    Gruss Simone

  • #3

    Heidi (Montag, 11 Juli 2011 22:02)

    Ich muss ehrlich sagen, dass mir hier die Erfahrung fehlt. Wahrscheinlich bin ich in der glücklichen Lage keine größeren Schicksalsschläge zu haben. Aber ich bin Realistin und weiß, dass so etwas immer kommen kann. Meine Epilepsie (ich bezeichne sie als mein Baby) habe ich jetzt auch schon 15 Jahre und ich versuche sie immer noch zu akzeptieren. Ich bin seit 3 Jahren anfallsfrei, aber muss immer Medikamente nehmen. Manchmal gelingts und manchmal falle ich in Depris. Aber ich habe gottseidank einen einfühlsamen Mann , der mich in der Zeit stärkt. Ich glaube ohne ihn würde ich das nicht schaffen. Du hast recht, das mit dem Käfig ist ein guter Satz. Aber ich will immer optimistisch sein und einfach nicht hadern, sondern leben. Anja ich habe schon immer so einen "Kummerkasten" gesucht, Du hast da was gutes angefangen.
    Liebe Grüße
    Heidi

  • #4

    Kerstin (Dienstag, 12 Juli 2011 12:59)

    (Er)leben lassen,
    ein Kompliment an Anja Zeipelt die ein Thema am Schopf packt was für viele, noch immer ein Buch mit sieben Siegeln ist.
    Mit Epilepsie lebe ich schon seit meinem 6.Lebensjahr, ich bin Jahrgang 1970, so ca. 1976 da fing alles an.
    Es ist die denkbar schlechteste Zeit damit zu beginnen sich seltsam zu benehmen, beim Mensch ärgere Dich nicht spielen plötzlich auf´s Spielbrett zu spucken. In der Schule mit Abwesenheit zu glänzen. An manchen Tagen nur Gekritzel auf´s Papier zu bringen und nebenbei auch noch tolle körperliche Verenkungen zu können, kann sich jemand die ungläubigen und strengen Blicke der Mutter, Lehrer Spiel- u. Schulfreunde vorzustellen ?
    Ich schaffte die Grundschule, kam in die höhere Schule wurde älter, kam in die Pubertät und es hatte immer noch keiner bemerkt auch meine Familie damals nicht was los war, bis ich zu meiner Mamma mal sagte, da war ich 13, mir ist immer so komisch. Antwort : das ist die Pubertät !
    Mittlerweile war ich Mitglied in der Wasserwacht, wurde älter hatte alles an Schwimmabzeichen musste mich einer Gesundheitsprüfung unterziehen, das war mein Glück oder Schicksal.
    Da war dann endlich jemand der damals erkannt hatte das es Epilepsie war. Das Leben ging weiter mit Höhen und Tiefen,Gott sei Dank zwei gesunde Mädchen zur Welt gebracht, mich mit Knödelwasser verbrüht, Nasenbrüche, des sind die Grand Mal´s, kein EEG der Welt zeigte unregelmässige Gehirnströme an, bis zum Herbst 2004 je älter ich wurde um so heftiger und unkontrollierbarer ( sobald ich eine Aura bemerkte, ekelhafter Geruch Geschmack in der Nase, Zunge, Rachen wurde die Zeit zwischen Aura u. Anfall kürzer)konnte ich mich nimmer verkrümmeln. Ich nahm alles was die Pharmaindustrie an Antiepileptika hergab samt Diazepam brach mir fatalerweise trotzdem die linke Schulter und wurde 2005 zu einer Epilepsiechirurgie zugelassen. Es ging mir lange Zeit sehr gut, zu gut !
    Doch zu dem Thema später. Was ich in dieser Zeit erlebt habe war erschreckend !
    Da ich ja trotz allem erlebten und den altbekannten Vorurteilen mich hab nie Hängen lassen und aus dem Thema Epilepsie seit ich es persönlich ja dann wusste auch kein Geheimniss machte, warum auch ! Habe ich im 20 Jahrhundert Menschen erlebt die panisch waren, sich plötzlich versteckten aufgrund der Diagnose Epilepsie welchen Ursprungs auch immer.

    Ich hab die OP gut überstanden nur hat sich ein Herd isoliert, sozusagen der Chef war weg und das Fussvolk hat sich mobilisiert, das nach fast 6 Jahren, was soll´s, werde deshalb auch nicht den Kopf in den Sand stecken das Leben geht weiter und ich werde es auch weiterhin geniessen !!!
    Liebe Anja, ich sag jetzt einfach mal, Du zu Dir und Respekt vor Deiner Arbeit mach weiter so!
    Andere predigen nur Du bringst es wenigsten unter die Leut , mach weiterhin viel Mut !
    Herzlichen Gruss Kerstin



  • #5

    Anja (Dienstag, 12 Juli 2011 13:06)

    Ich freue mich sehr über Euer positives Feedback, ich mache ganz sicher weiter so mobil ;-)

    Es dauert jetzt eventuell einige Tage, habe mir die Schulter gezerrt und Schmerzen beim schreiben aber das ist bald wieder Schnee von gestern und dann kommt das nächste Thema ;-)

  • #6

    Kerstin (Dienstag, 12 Juli 2011 13:17)

    Gute Besserung und geniesse die arbeitsfreie Zeit :-)
    Lg Kerstn

  • #7

    Dieter (Dienstag, 12 Juli 2011 15:06)

    Aber Hallo,
    hier hat sich gewaltig was getan, das finde ich super ;-)
    Und gerade dieses anspruchsvolle Thema... Kompliment und Hut ab. @Kertin, den Ausdruck: Chef und Fussvolk find ich sehr gut, habe ich so noch nie gehört. Tolle Idee.
    Dir liebe Anja wünsche ich gute Besserung mit der Schulter, wird wieder...
    Alles liebe
    Dieter

  • #8

    Jacqueline (Dienstag, 19 Juli 2011 18:56)

    Hallo zusammen,

    irgendwie kann ich im Falle Sofie Parallelen ziehen zu meiner früheren Erziehung meiner Mutter, sprich Eltern. Aber eher meiner Mutter.

    Diese meinte auch da ich Epilepsie mit 4 Jahren bekam, das ich anders bin, und deswegen anders behandelt werden müßte. So ein Quatsch...

    Ärger mich immer nioch heute darüber, wenn viele Mamis meinen deren Kinder eine Krankheit oder Epi haben, man müßte die Kidis absolut behüten, oder überhüten. Nenn es mal so.

    Mir wurde früher wenn ich auser Haus ging sogar meine Brüber mitgegeben, sprich ich hatte diese an der Backe, und beide Seiten haben das überhaupt nicht toll gefunden. Natürlich habe ich dann eine Uhrzeit ausgemacht wo die lieben "Brüder" mich dann doch bitte wieder abholen können, so das wir gemeinsam nach Hause gingen.

    Was tut man nicht alles für seine Freiheit!!!!!!

    Oder das zu früh ins Bett gehen, ußte wirklich früher um 19.00 h schon im Bett sein, wer kann denn im Sommer schon um 19.00 h btte schlafen, und das als Kind? Ich nicht.

    Dann die Leher manche gingen super damit um, und manche katastophal. Wenn ich da an dein einten Lehrer denke lässt mch blutend mit einer absoluten Kopfwunde und Gehirnerschütterung mit Klassensprecherin zum Hausarzt laufen. War nur noch am spuken hinterher.

    Denke man kann vieles eher verstehen wenn man solche dinge erlebt hat. Wie war ich froh als ich mit 18 Jahren dann Zuhause ausgezogen bin.

    Ich selber ging ganz relaxt mit meinen Anfällen um, gut hatte sie waren nicht toll, doch viel änderen konnte ich da nicht, auser pünktlich Medis nehmen. Vor allem laufend zur Kontrolle ins Epizentrum gehen.

    Habe ja noch einige andere Erkrankungen, auch wie Asthma, Allergien, Herz usw. aber da kann man nicht viel ändern, auser wirklich die Medis gut nehmen. Habe auch wie Anja immer mein Notfallspray in der Tasche, ohne das geht es nicht auser Haus. Will ja nicht rum japsen im Notfall wie blöde...

    Ich finde Kinder und Erwachsene sollten eine gewisse Selbstsicherheit entwickeln in punkto Krankheit, das ist ganz wichtig. Nur weil man Epi oder andere Krankheiten hat, ist man automatisch nicht anders, oder Mensch 2 er Klasse.

    Denke es kommt oftmals auf die Mitmenschen an, auch unsere engsten Leute die um einen herum sind, und die uns kennen. Man ist nur Mensch auch mit einem Zipperlein! ;-)

    @Anja
    Ich wünsche dir eine gute Besserung, eine Schulter die verzerrt ist dtut höllich weh. Mir ging es vor kurzem so das ich mein Kopf nicht mehr bewergen konnte, da ich einen Nerv eingeklemmt hatte. Deswegen kann ich gut mit dir mitfühlen.

    Ganz liebe Grüße an alle

    Jacqueline