Epilepsie und Arbeit

Ich finde es immer wieder erstaunlich wie oft ich höre das Behinderte bevorzugt eingestellt werden. Frauen übrigens auch. Geht man nun von der Annahme aus, dass weibliche Behinderte dann am leichtesten einen Arbeitsplatz finden würden, würde ich das als logische Schlussfolgerung genauso betrachten.

 

Dummerweise ist aber die Realität eine ganz andere. Wenigstens bei Epilepsie. Als ich nach meinem Unfall meine Diagnose bekam, nahm sich die Frau meines Chefs nicht einmal die Zeit ein paar freundliche Worte zu finden. Im Gegenteil forderte sich mich sofort auf zu kündigen. Dieses Telefonat ist nicht nur wegen der ungeheuren Frechheit lächerlich, sondern auch wegen der Tatsache, dass mich kein anderer Mitarbeiter ersetzen konnte. Bevor also ein Epilepsie kranker Mitarbeiter mit Ahnung dort arbeitet, arbeitet lieber eine Mitarbeiterin ohne die geringste Ahnung???

Fairerweise muss ich einräumen, dass ich ein paar Wochen arbeitsunfähig geschrieben werden sollte, doch das kann tatsächlich jedem Mitarbeiter mal passieren. Es hätte eine Lösung gegeben, hätte man sich zusammen gesetzt und unterhalten aber das war wohl zu viel verlangt. Die Auflösung des Rätsels kam schnell, schneller als ich dachte. Man löste meine Abteilung einfach auf und entließ meine Kollegin gleich mit. Schlussendlich schloss man sogar das ganze Geschäft. Da frage ich mich als normal denkender Mensch, kam meine Epilepsie gerade günstig als Ausrede und man suchte schon vorab einen Grund um den Laden zu schließen oder verbreiten wir Epileptiker tatsächlich so eine Angst?

 

Wie auch immer das in meinem Fall war, wohnt um die Ecke auch ein behinderter Mann der partout keine Stelle bekommt. Offensichtlich kann er nicht so einfach laufen wie ich das kann aber seine Arbeit ist hervorragend. Warum also bekommt er keine Stelle? Zu alt? Zu krank??? Ein Mann??????

 

Wenn ein Mann mit einer leicht zu erkennenden leichten Behinderung keine Stelle bekommt, muss man nicht lange rätseln warum das bei uns Epileptikern nicht klappt. Bei uns sieht man gar nichts. Unsere Beeinträchtigung ist unsichtbar und nicht zu erfassen für den Otto Normal Arbeitgeber. Interessant finde ich, dass ganz viele Behinderte oder Frührentner überall gerne umsonst arbeiten dürfen. Geradezu überschlagen tun sich manche Leute beim Lob auf diese Leute, so gewissenhaft ist ihre Arbeit.

Klar, außer bei den Anfällen sind Epileptiker ja auch gesund*, da ist es nicht verwunderlich das sie eine tolle Arbeit verrichten. Zusätzlich sind sie motiviert, denn sie wollen ja nicht darum liegen und zeigen das sie immer noch kompetente Arbeit verrichten. Aber wenn es um die geschäftliche Beschäftigung solcher Menschen geht, ziehen die Arbeitgeber lieber „Gesunde“ vor.

Ich bin immer wieder verwundert dass diese meist wunderbaren freundlichen Menschen zurück gesetzt werden, nur um dann einen unhöflichen arroganten Menschen einzustellen. Gesundheit vor Kompetenz. Natürlich ist das nicht immer so. Häufig bekommen tatsächlich qualifiziertere Menschen ohne gesundheitliche Probleme den Job. Was ja auch völlig o.k. wäre, wenn da nicht der Zusatz wäre „Behinderte bekommen bei gleicher Qualifikation den Vorzug“. Denn es stimmt definitiv nicht, was uns diese angeblichen Gutmenschen da vorgaukeln.

 

Ich selbst bin schon einmal in die Tretmühle Arbeitssuche gekommen und empfand diese Zeit als die deprimierendste meines Lebens. Entlassen wurde ich als Abteilungsleiterin einer kleinen Unternehmens, als Epilepsiekranke war ich dann nicht mehr vermittelbar. Trotz Zusatzausbildungen und verschiedener Qualifikationen. Beim Arbeitsamt durfte ich dann Kurse besuchen. EDV… ausgerechnet ich musste einen Einsteigerkurs in EDV belegen. Es gab damals schon kaum etwas wo ich fitter war. Dementsprechend sinnlos war das Ganze für mich. Aber die Kursleiter freuten sich über meine Unterstützung. Einen Job gab es trotzdem nicht für mich. „Nicht mit dieser Krankheit“ wie mir nicht nur mein Neurologe, sondern auch ein Mitarbeiter des Arbeitsamtes mündlich bescheinigten.

Für die Rente ist man zu gesund, zum arbeiten ist man… ja was ist man denn dann? Zu epileptisch???

 

Manche Epileptiker geraten somit in die Harz 4 Tretmühle, andere wiederum sind stur und wollen partout kein Geld vom Staat haben. Im Prinzip finde ich diese Einstellung absolut lobenswert, denn ich bin auch einer dieser Vertreter. Auf der anderen Seite ist ein Ausweg nicht ganz so einfach wie man sich das vorstellt und erhofft. Einer dieser Auswege ist der Weg zur Selbstständigkeit.

Und bei vielen klappt das auch auf Anhieb ganz hervorragend. Andere bemerken allerdings erst spät dass sie entweder die falsche Branche gewählt haben oder der Körper den zusätzlichen Belastungen nicht gewachsen ist. Ein plötzliches erneutes Auftreten von Anfällen, schwächere Belastbarkeit und andere körperliche Störungen machen sich oft erst durch den Druck der Selbstständigkeit bemerkbar.

Ist man angestellt, fließt das Geld auch dann noch weiter wenn man mal einige Tage ausfällt. Als Selbstständiger sind solche Tage emotional total belastend. Die Angst stellt sich ein. Was sagt der Kunde, was macht mein Körper, kann ich das auffangen? Mit jedem Rückschlag wird der Druck größer und damit die Gefahr erneuter oder vermehrter Anfälle. Nur allzu deutlich spürt man die körperlichen Grenzen, die uns in einen Teufelskreis ziehen.

 

Dasselbe gilt für Epileptiker im Angestelltenverhältnis. Bei großen Firmen geht das meist noch recht gut, doch in kleinen Firmen geht die Angst um, sobald die Epilepsie wieder zuschlägt. Die Angst zu versagen, schlechter zu sein, den Anforderungen nicht mehr nach zu kommen. Ein normaler Spannungskopfschmerz kann dann ganz schnell als Vorbote eines Anfalls fehl gedeutet werden und schon kommen wir noch mehr unter Druck.

 

Als ich zum ersten Mal den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, hatte ich Großes vor. Ein Geschäft mit kundenfreundlichen Öffnungszeiten und tollem Service sollte mein fehlendes Gehalt ersetzen. Ich war mir so sicher dass ich das alles ganz locker bewältigen würde. Doch ich hatte mich und meine körperlichen Möglichkeiten völlig falsch eingeschätzt. Die Anfälle blieben nicht einfach weg nur weil ich Geld brauchte. Im Gegenteil kamen sie scheinbar erst durch den Druck wieder. Mit jeder schlechten Bilanz feilte ich an neuen Ideen, verwarf sie wieder, recherchierte, arbeitete und versuchte alles nur erdenkliche um auf die Beine zu kommen. Doch ich hatte zwei Dinge übersehen. Zum einen die Wirtschaftskrise und zum anderen die Warnsignale meines Körpers. Bis mein Körper komplett streikte. Das war das Aus für mein Geschäft.

 

Ich lese und höre auch stets von Epilepsiepatienten die entweder verzweifelt von Behörde zu Behörde rennen oder im Strudel der Selbstständigkeit sich selbst vergessen und Risiken eingehen, von denen sie bald merken das sie sie eigentlich nicht tragen können. Dasselbe passiert vielen von uns im Berufsleben.

 

Aber es gibt auch noch die Kehrseite der Medaille. Arbeitgeber die Menschen trotz der Epilepsie einstellen. Vielleicht, weil sie sich einfach mal die Mühe gemacht haben sich näher mit dem Umstand der Epilepsie zu beschäftigen. Oder weil sie anderen eine Chance geben wollen. Manchmal aber auch ganz schlicht weil die Beschäftigten ihre Epilepsie verschwiegen haben. Rein aus der Not heraus.

Auch, weil eine Epilepsie zum Stillstand gekommen ist, was den Patienten ganz neue Möglichkeiten eröffnet oder weil die Patienten keinerlei Nebenwirkungen haben. Ein Ziel das man mit Macht anvisieren sollte. Nicht wenige schaffen dann auch den akademischen Abschluss oder sind sehr erfolgreich im Beruf.

 

Andere schaffen trotzdem keinen Fulltime Job mehr. Einige Medikamente oder Krankheitsverläufe wirken auf manche Patienten ermüdend oder stören die Konzentration. Wenn einem plötzlich die Worte fehlen oder die einfachsten Handgriffe nicht mehr gelingen wollen, dann ist dies ganz klar ein Zeichen für eine Überlastung. Der Kopf schreit regelrecht nach dem „Aus“ Schalter und nach Schlaf. Dinge die irgendwann nicht mehr zu verbergen sind und zu einem Halbtagsjob zwingen.

 

Mich hat dieser Umstand zur Aufgabe gezwungen. Jedoch muss man ja nicht jeden Wassereimer stets ganz voll transportieren. Ich werde nun so viel aus dem Eimer heraus kippen das ich ihn wieder tragen kann und mich dann neu orientieren. Wer nicht kämpft der hat schon verloren und ich hoffe für uns alle, dass Jeder einen Weg findet seinen eigenen Anteil am Lebensunterhalt finanzieren zu können.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Betroffenen beruflichen Erfolg und allen Arbeitgebern mehr Mut Epilepsiebetroffene ein zu stellen. Es lohnt sich!!!

 

Ihre Anja D.- Zeipelt

 

 

*Epileptiker ohne eine andere Grunderkrankung

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Kommentare: 9
  • #1

    Anja (Donnerstag, 14 Juli 2011 14:35)

    Übrigens ist dies mein neues Betätigungsfeld:

    http://www.kd-computer-ganz-einfach.de

  • #2

    Rainer (Donnerstag, 14 Juli 2011 15:28)

    Diese Problematik besteht und löst viel Unverständnis bei Betroffenen aus. Es bringt manch einen von uns schier zur Verzweiflung. Kann ich auch sehr gut verstehn, denn es geht nicht nur ums Überleben (materiel). Was noch viel wichtiger ist -im Leben gebraucht zu werden, eine Aufgabe zu haben. Ist es nicht ein extrem wichtiger Faktor in unserem Leben?
    Aber warum verhalten sich Arbeitgeber und auch viele Mitmenschen so? Ich glaube, die Antwort ist ganz einfach. Es überwiegt die Angst vor dem Ungewissen. Außerdem kennt man sich zu wenig mit der Erkrankung aus, vielleicht hat man noch nie etwas davon gehört. Dazu das Stigma was über der Erkrankung Epilepsie herscht. Man ist verunsichert und es setzt der automatische Schutzmechanismus des Menschen ein. Anstatt sich mit der Erkrankung auseinander zu setzen, geht man den scheinbar einfachen Weg. Man läßt sich erst gar nicht auf uns ein. Traurig, denn daran gehen einige von uns zu Grunde.

    Kopf hoch und weiter kämpfen, denn es geht um unser Leben. Wir lassen uns nicht unter kriegen.

  • #3

    Dieter (Donnerstag, 14 Juli 2011 16:42)

    Das Thema betrifft Epileptiker in einem besonderem Maße. Aus Erfahrung weiß ich , dass Arbeitgeber selbst hochqualifizierte Leute wegen ihrer Epilepsie entlassen. Und eigestellt wird erst recht nicht, da große Ahnungslosigkeit gepaart mit viel Angst die Oberhand behält. Es gibt allerdings auch positive Beispiele, die sind aber eher selten.
    Im Großen und Ganzen spielen hier doch 2 große Faktoren eine große Rolle, denen wir selten etwas entgegensetzen können.
    Der LEISTUNGSDRUCK ist nicht unbedingt fördernd für unsere Epilepsie, da wird manchmal schon eine kleine Schwäche gnadenlos ausgenutzt. Um es auf einen Nenner zu bringen, in der freien Wirtschaft wird schon seit längerer Zeit um jeden Arbeitsplatz gekämpft wie selten zuvor. Wer keinen langen Atem hat und auch die dazugehörende Durchsetzungskraft, fällt von vornherein durch den Raster. Das alles vergiftet die Arbeitsmoral im ganzen Land,der reine Selbsterhaltungstrieb steht bei vielen an der obersten Stelle. Freunde unter Arbeitskollegen sind sehr selten geworden.
    Und dann ist da noch das MOBBING. Wenn ein epilepsiekranker Mensch endlich mal eine Stelle hat, dann wird von Mitarbeitern nach Schwächen gesucht. Das kann zusätzlich krank machen. Es ist ein Teufelskreis, der sich um die sogenannten "chronisch kranken" dreht.
    Natürlich sind staatliche Fördermaßnahmen eine Möglichkeit, aber die Integration sollte Vorrang haben und hier sitzen eben Leute (Beamte) die von speziellen Krankheiten keine Ahnung haben.
    Bei mir war es mal so, dass ich 4 Jahre einen ganz anderen Beruf machte. Mein eigentlicher Beruf war übersättigt mit Spezialisten (heute fehlen sie), deswegen wurde meine Krankheitsangabe bei den Bewerbungen freundlich angenommen. Das war dann ein Grund mich nicht einzustellen. Trotz allem sollte man die Flinte nicht ins Korn werfen, es ergibt sich immer wieder eine neue Chance. Wie sagt Anja so schön:
    WER KÄMPFT KANN VERLIEREN; WER NICHT KÄMPFT HAT SCHON VERLOREN!!! Das will ich dick unterstreichen und noch dazu sagen "geht nicht-gibt's nicht".
    Ich wünsch Euch allen Kraft und Glück bei Eurem evtl. neuen einsichtigen Arbeitgeber.

  • #4

    klemm wolfgang (Donnerstag, 14 Juli 2011 18:11)

    ja der arbeitsmarkt ist gierig nach jungen absolut qualifizierten menschen,ist alles ein widerspruch,
    es gibt nur wenige ausnahmen von unternehmen,die sich
    mit behinderten menschen beschäftigen und die lage ernst nehmen.die gesellschaft redet sich alles schön,aber vor ort bei bewerbungen haben behinderte keine und ältere gesunde auch keine chance.
    schade das mit dem menschen so umgegangen wird.ich hatte mit 58 das glück von meinen sohn eingestellt zu werden.ich wünsche mir mehr verständnis für behinderte
    menschen,sie gehören zu unserem leben und gesellschaft
    dazu,aber die realität ist eben die andere seite.
    gut das es dich gibt,liebe anja
    lg wolfgang

  • #5

    Mario (Dienstag, 19 Juli 2011 14:12)

    Das man es als Epileptiker nicht nur im Privatleben, sondern ganz besonders auch im Berufsleben, oft verdammt schwer hat, das habe auch ich als Epileptiker erfahren müssen. Nach meinem Schulabschluß hatte ich es sehr schwer überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden.
    Vom Arbeitsamt wurde mir empfohlen (nachdem mir seitens des Arbeitsamtes erst einmal alles aufgezählt wurde, was für mich als Epileptiker auf gar keinen Fall als Beruf in Frage käme) eine Berufsfindungsmaßnahme in einem Berufsbildungswerk zu absolvieren. Diese 3-monatige Berufsfindungsmaßnahme, die ich im BBW Bigge/Olsberg, nahe Winterberg absolvierte, brachte mich aber auch kein bißchen weiter. So dass ich nach Ablauf dieser Maßnahme, dann schließlich doch wieder selbst von vorne anfangen musste, auf eigene Faust einen Ausbildungsplatz zu finden. So kam es, dass ich dann - entgegen des Rates vom Arbeitsamt - meine Ausbildung zum Bauzeichner im Hochbau absolvierte. Das Arbeitsamt, hatte diesen Beruf zwar für mich vollkommen ausgeschlossen, da ich damals während meiner Ausbildungszeit neben 30 Besuchen auf Baustellen schriftlich nachzuweisen hatte, auch noch ein Praktikum auf dem Bau absolvieren musste. Die Zeit für das Baustellenpraktikum während der Ausbildung sollte mindestens 6 Wochen, maximal 3 Monate dauern. Ich habe dieses Praktikum dann über die kompletten 3 Monate gemacht (mit allem was so dazu gehört, wie Leitern steigen, Gerüst klettern, etc.) und ich hatte während meiner gesamten Praktikumszeit keine Probleme damit, trotz meiner Epilepsie Gerüst zu klettern oder Leitern zu steigen. Die Besuche der Baustellen, sowie das Baustellen-Praktikum, gehörten damals noch zur Pflicht der Bauzeichner-Ausbildung. Ohne schriftlichen Nachweis der Baustellenbesuche (Unterschrieben vom Projektleiter) und ohne schriftlichen Nachweis des Baustellen-Praktikums (Unterschrieben vom Geschäftsführer des Bauuinternehmens) wäre ich damals keinesfalls überhaupt zur Abschußprüfung zugelassen worden.

    Doch da die Baubranche derzeit mal wieder schwächelt, habe ich nun schon in 3 verschiedenen Büro´s gearbeitet.
    Und immer wieder muss ich entäuscht feststellen, dass - wenn ich überhaupt eingestellt werde / bzw. eingestellt worden bin - ich diese Job´s nur bekommen habe, weil ich die Arbeitgeber darauf aufmerksam gemacht habe, dass sie die Möglichkeit haben für mich - als Arbeitnehmer mit Behinderung - einen befristeten Zuschuß vom Staat zu kassieren, so dass sie - für die Zeit des gewährten Zuschuß - meine Lohnkosten nicht vollständig selbst tragen müssen.
    Aber sobald der Zuschuß ausläuft, wird von Seiten der Arbeitgeber, immer wieder versucht mich "loszuwerden".
    Und immer wieder werden mir Aufhebungsverträge vorgelegt, oder auf eine sehr drastische Reduzierung meiner Arbeitszeit hingewiesen, in der Hoffung, dass ich dann kapituliere und von selbst den Arbeitgeber verlasse.

    Derzeit befinde ich mich wieder in genau so einer Situation, wo mein Arbeitgeber mir einen Aufhebungsvertrag vor die Nase legte, oder mir alternativ eine Reduzierung meiner Arbeitszeit auf 2 Tage pro Woche, bei gleichzeitiger Erweiterung meines Aufgabengebietes - welches schon jetzt sehr umfangreich ist - anbietet.

    Im Moment habe ich diese Woche noch Sommer-Urlaub. Und was mich dann ab nächste Woch böses im Büro erwarten wird, kann ich mir nur vorstellen.
    Ich glaube kaum, dass ich diesem Druck sehr lange Stand halten kann. Darum habe ich meinen Sommer-Urlaub zu Hause verbracht und ihn dazu genutzt Bewerbungen zu schreiben um einen neuen Job zu finden.
    Und um gegen den Vorschlag meines derzeitigen Arbeitgebers vorzugehen, habe ich mir einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zur Seite geholt. Gott sei Dank habe ich eine Rechtsschutzversicherung die sowohl Privatrechtsschutz- als auch Berufsrechtsschutz abdeckt.

    LG, Mario

  • #6

    Mario (Dienstag, 19 Juli 2011 14:22)

    Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass ich meine Arbeitgeber natürlich über meine Epilepsie aufgeklärt habe, und einer meiner derzeitigen Chefs selbst seiner Zeit "Zivildienst" auf dem RTW absolviert hatte und meine Epilepsie damals beim Einstellungsgespräch wohl kein großes Problem darstellte, die Ehefrau eines weiteren derzeitigen Chef´s (ich habe bei meinem derzeitigen Arbeitgeber gleich 4 Chef´s, da es 4 Gesellschafter sind, die das Büro führen) von mir Ärztin ist, und eben dieser Chef - dessen Frau Ärztin im Werksarzt-Zenrum war (jetzt eine eigene Praxis führt), von mir verlangte, ich solle mich doch mal von seiner Frau im Werksarzt-Zentrum untersuchen lassen, ob ich nicht doch meinen Führerschein machen könne.
    Was soll ich sagen, ich bin auf diesen Vorschlag eingegangen (obwohl ich das Ergebnis dieser Untersuchung schon vorher kannte) und als hätte ich es geahnt, diese Untersuchung war nur reine "Schikane" - Wirklich.

    LG, (nochmal) Mario

  • #7

    Heiner (Mittwoch, 20 Juli 2011 22:09)

    Hallo alle,

    Epi und Arbeitststelle ist, so meine Erfahrung, nicht erwünscht. Die Arbeitgeber tun so als ob "Gesunde" und gut eingestellten Epileptikern keine vergleichbare Arbeit verrichten könnten. Hier ist selbst Aufklärung kein Mittel, es sei denn der Arbeitgeber hat einen epilepsiekrankes Familienmitglied. Da sieht die Sache plötzlich ganz anders aus. Es ist zum heulen, mit wieviel Vorurteilen wir kämpfen müssen. Unsere Krankheit ist chronisch, ok. Aber wieviel andere chronische Krankheiten gibt es!!! Und die haben seltsamerweise keine so großen Probleme auf dem Stellenmarkt. Ich kann allen nur raten, lasst nicht locker, schreibt immer weiter Bewerbungen. Oft helfen auch Beziehungen.
    Viel Glück wünscht
    Heiner

  • #8

    Dieter (Dienstag, 26 Juli 2011 09:34)

    Schaut mal in meine Homepage www.epilepsie-reutlingen.de bei Fachvorträgen von Dr. Raimund Weber

  • #9

    Annett (Freitag, 27 Februar 2015 11:53)

    O-Ton meines Arbeitgebers: "Epileptische Erscheinungen und die damit verbundenen kognitiven Einschränkungen und psychischen Störungen" sind die Gründe dafür, dass ich als Senior-IT-Projekt-Managerin für einen unserer großen deutschen Auto-Konzerne nicht mehr vermittelbar bin und dafür, dass mein Arbeitsverhältnis zum Ende des letzten Jahres aufgehoben wurde.

    Nun bin ich gerade dabei, die "Krise als Chance" zu begreifen, um mich zu suchen und neu zu finden. Das ist tatsächlich nicht so einfach, Sinn bringend und erfüllend, wie es meine Mitmenschen glauben, die mich eher darum beneiden, für meine viele freie Zeit nun auch noch "erwerbsgemindert" bezahlt zu werden... Daher: "FREIZEIT zu FREUZEIT", alles wird gut.

    Ganz herzlichen Dank und liebe Grüße an Anja & alle (wie auch immer) EPI-Beteiligten