Ein Wunder namens Lachen (Humor Teil II)

Das Wunder namens Lachen

Stellen Sie sich ein kleines Baby vor. Es sitzt breitbeinig vor Ihnen auf dem Boden, stolz, weil es zum ersten Mal nicht umfällt und strahlt Sie an. Die Pausbacken glänzen von Babycreme, die Haare stehen zerzaust vom Kopf und zwischen dem strahlenden Lächeln blinzelt ein einziger Zahn hervor. Das Glitzern in seinen großen unschuldigen Augen löst etwas aus, gegen das man sich nicht wehren kann und man lächelt zurück. Es liegt ein Zauber in diesem einen kleinen Moment.

Jetzt sitzen Sie in einem Restaurant und am Nachbartisch bekommt ein Fremder einen Lachkrampf. Unweigerlich müssen Sie mit lachen. Das Lachen steckt an weil es so ehrlich, so pur und rein ist. So voller Lebensfreude. Es öffnet das Herz!

Auf der Straße sehen Sie einen einsamen Menschen und schenken ihm ein warmes Lächeln. Er wird überrascht sein und sich freuen, aber am meisten schenken Sie dem Menschen für einen kleinen Moment ein Stück vom Glück.

Zauber, Freude, Glück und so vieles mehr macht ein Lachen aus. Aber was passiert in diesem Moment in unserem Innersten? Es wird uns warm ums Herz. Unsere Schmerzen scheinen für den Moment vergessen und die Zeit könnte still stehen so schön ist dieser Augenblick. Manches Lachen hallt noch Stunden nach. Da wir aber nicht immer ein einzahniges Baby, einen Lachkrampf geschüttelten Menschen oder einen einsamen Fremden zur Verfügung haben, hat die Natur den Humor erfunden.

Es ist wie mit dem Glas Wasser: Ist es halb voll oder halb leer? Zwei Sichtweisen für dieselbe Sache und man kann Selbst entscheiden welche einem lieber ist. Ich tendiere zu dem halb vollen Glas. Wenn wir in gemütlicher Runde beisammen sitzen und uns Witze erzählen, dann habe ich noch ein Lächeln im Gesicht wenn ich ins Bett gehe. Ich bin total entspannt und es geht mir gut, obwohl ich vielleicht vorher mit krampfartigen Bauchschmerzen das Haus verlassen habe.

Humor ist wenn man trotzdem lacht. So oder so ähnlich heißt es in einem alten Sprichwort. Auch in Momenten wo das Leben kein Zuckerbrot serviert. Nicht weil wir gefühllos wären, sondern weil es wohl kaum einen Menschen gibt der keine Sorgen hat und er in diesem Moment vielleicht einfach einmal fröhlich sein will. Und das wird ihm in dieser Situation garantiert besser bekommen als Gespräche von der Leidensfront .

Wenn wir bei einer Gelegenheit, die Möglichkeit haben über unser Problem Epilepsie zu reden, sollten wir uns gut überlegen wie der andere sich gerade fühlt. Viele unverständliche Reaktionen hängen auch davon ab wie es dem Zuhörer Selbst gerade geht. Hat er vielleicht selbst Druck? Oder Angst vor der Epilepsie, weil er nichts darüber weiß? Welche Reaktionen lösen welche Sätze bei ihm aus? Wie verunsichert bin ich denn Selbst in einer für mich ungewohnten Situation? Für uns alle sehr schwere Momente, die wir aber alle kennen sind z.B. Beerdigungen in der Familie von Freunden oder Bekannten. Wie viel leichter ist es doch wenn man den Trauernden die Hand reicht und sie einem ein leises Lächeln zu werfen. Das ist kein fröhliches Lächeln, sondern ein ermutigendes Lächeln. Ein Lächeln das auch sagen könnte „Es ist so furchtbar schwer für uns aber wir schaffen das“. Ich habe das in den letzten Jahren tatsächlich öfter erlebt, einmal sogar bei einer Mutter die ihren Sohn verloren hat. Ein Lächeln unter Tränen die an das Kind erinnerten, forderte mich ohne ein Wort auf, die Unsicherheit abzulegen. So ein verzweifeltes Lächeln nimmt einem die Sprachlosigkeit, das Hilflose und baut Brücken zu Andern. Der Bann ist gebrochen, man traut sich weiter auf die Menschen zu zu gehen und kann ihnen besser helfen.

Die Situationen sind eigentlich nicht vergleichbar, trotzdem spiegeln sie die wieder, was werden kann wenn man ein kleines bisschen auf die Menschen zugeht. Es ist nur ein winziger Schritt für die Einen, ein ganz großer für Andere aber in jedem Fall erlernbar und lohnenswert. Manche Menschen mit Epilepsie sind der Meinung dass sie gemieden werden oder sogar ausgelacht. Das kann richtig oder auch falsch sein, jedoch hat das Meiden sicher nicht den Grund der Epilepsie, sonst würden alle Epileptiker gemieden. Und das ist ganz und gar nicht der Fall! Wenn man gemieden wird kann das Zweierlei sein: Unsicherheit durch Unwissenheit der Außenstehenden oder schlicht oben genanntes eigenes Verhalten dass die Menschen verscheucht, also die unverhältnismäßige Leidensmiene und das Jammern. In letzterem Fall ist es egal ob es sich um Epilepsie oder einen Schnupfen handelt, das lösen wir ganz alleine durch unser Verhalten aus. Aber auch gegen die Unsicherheit können wir etwas tun.*

Wenn Menschen lachen passiert das auch oft aus Unsicherheit und manchmal ist ein vermeintliches Auslachen auch ein Miteinander lachen. Ich persönlich kann über mich sehr gut lachen. Alleine oder gemeinsam mit anderen Menschen, über meine Epilepsie oder deren Begleiterscheinungen. Und uns allen tut das unglaublich gut. Ein Lachen ist wie ein Sonnenstrahl der unser Herz erwärmt. Auch und besonders in schweren Zeiten.

Für mich, meine Familie und Freunde ist Humor die beste Medizin und die Brücke die uns miteinander verbindet und zusammen führt. Ich bin mir sicher, das ich ohne diesen Humor und die Fähigkeit mich nicht ganz so ernst zu nehmen, viele Menschen verloren hätte. Aber nicht wegen der Epilepsie, sondern wegen meines Verhaltens. Da ich aber keinen einzigen wichtigen Menschen wegen meiner Anfälle verloren habe ist Humor wohl nicht nur körperliche sondern auch seelische Medizin und ganz nebenbei wohl auch das einzige Heilmittel das keine Nebenwirkungen hat.

In diesem Sinne: Heute schon gelacht???    

Ihre Anja D.-Zeipelt 

 

*(siehe meinen Artikel „Outing“ http://www.epi-on-board.de/eigene-publikationen-in-zeitschriften)

 

Und hier noch eine Zugabe von meinem Gastschreiber Dieter Schmidt:

 

Humor und Freude ist nötig, besonders bei Epileptikern


Der Mensch, egal ob krank oder gesund, neigt zum Pessimismus.

„Der da vorne bekommt immer das bessere, das größere, das meiste – ich bin nicht so gut, bin auch kleiner und habe auch weniger“

Man kann auch sagen – „Der da vorne ist gesund, glücklich und reich. Ich bin krank, unglücklich und arm“.

Ist wirklich so? 

 

Fehlt hier vielleicht eine Portion Selbstbewusstsein? Neigen wir nicht gar zu leicht zum Jammern und zu Selbstmitleid?     Stellt Euch vor, der Andere hat plötzlich nichts mehr, weil er bestohlen wurde.

 

Wie reagieren wir?  Mit Genugtuung? Oder gar mit Freude? Sind wir wirklich realistisch? Kann es sein, dass wir zu sehr egoistisch sind?

Wir dürfen solche Vergleiche nicht machen!      Der Reiche wie der Arme sind am Sterbebett haargenau gleich dran, der eine wie der andere kann nichts mitnehmen.


Hier wäre Demut, Rücksicht, Freude und vor allem Humor das Mittel zum sozialen Frieden. Es schreibt sich so leicht, ist aber so schwer umzusetzen. Kann es sein, dass wir nicht mehr fähig zum Lachen sind?

Lachen ist kinderleicht, man meint das braucht man nicht mehr. Man ist ja schließlich erwachsen geworden. Was für eine Fehleinschätzung, Lachen ist die Grundnahrung unseres Gemütszustandes.

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Lachen - trotz und gerade mit Epilepsie - .                                                                          

 «Humor verhindert, dass uns der Kragen platzt». «Lächeln ist das Kleingeld des Glücks», meinte Heinz Rühmann sehr weise. Denn ein Lächeln oder ein herzhaftes Lachen entspannen einen kritischen Moment oder eine peinliche Situation und schaffen eine neue Nähe zwischen jenen, bei denen das Lachen aufkam. Darauf kann man auch zukünftig bauen.

Humor und Lachen sind eigentlich für alle Menschen unverzichtbar. Beides erleichtert manch gespannte Situation im Beruf und im gestressten Alltag. Dies gilt sowohl in gesunden als auch kranken Tagen, und auch vom Kind bis zum Greis.


Humor ist eine nette Form, Einsichten weiterzugeben. Anonym


Was aber ist Humor? Hat nur Humor, wer gut Witze erzählen kann? Kann man Humor überhaupt lernen? Und wenn ja, wie können Humor und Lachen in der Familie gefördert werden? Wirf mal einen kurzen Blick hinter die Kulissen des Phänomens Humor.


Einige Anregungen:

Zunächst sehen wir in einem Beispiel, wie Humor im Leben einer hochbetagten Epileptikerin noch immer einen sehr wichtigen Platz einnimmt: Diese Frau, nun 80-jährig, ging, als Sie noch keine Epilepsie hatte, immer gerne ins Cabaret, in den Zirkus oder an andere Orte, wo es etwas zu lachen gibt. Aus gesundheitlichen Gründen kommt sie nun seit einigen Jahren nicht mehr gut aus dem Haus heraus. Anstatt über diesen Verlust zu jammern, kaufte sie sich ein leeres Buch. Darin können nun ihre Besucher allerlei Heiteres aufschreiben, einkleben oder zeichnen. Insbesondere eine Nichte schreibt regelmäßig eine lustige Anekdote auf. So gibt es nicht nur Gesprächsstoff während des Besuchs, sondern die alte Dame schafft sich zuhause eine Art heitere Privatbühne. Dieses Beispiel zeigt, dass Humor trotz und mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen aktiv wach gehalten werden kann.


Humor ist die Lust zu lachen, wenn einem zum Heulen ist. Werner Finck

Dies fällt einer betagten Frohnatur bedeutend leichter als einer durch Schwermut und Griesgram gezeichneten alten Person. Wenige Menschen sind jedoch immer und ausschließlich griesgrämig. Manchmal können einige Fragen weiterhelfen, um dem Humor auf die Spur zu kommen.


Humor ist der Versuch, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Ernst Kreuder 

Diese Fragen können sowohl Angehörige als auch das Fach-Personal im Krankenhaus stellen:

Welche Streiche habt ihr früher am 1. April gemacht?

Welche Streiche habt ihr in der Schule mit dem Lehrer gespielt?

Gibt es einen Komiker oder Kabarettisten, den du besonders gerne magst? Was gefällt dir an ihm/ihr?

Worüber kannst du lachen oder schmunzeln?

Die Antworten zu diesen Fragen geben Hinweise über den Humorstil und Humorvorlieben. Mitunter entstehen daraus konkrete Vorschläge, wie Humor aktiv in den Alltag integriert werden kann:

Sollen wir wieder einmal ein altes Fotoalbum anschauen?


Ich habe den Film «Komiker» mit Oliver Hardy und Stan Laurel gesehen. Er handelt von Humor eines US-amerikanischen Duos auch unter den Bezeichnungen Dick und Doof oder Stan & Ollie bekannt. Manchmal ging es auch ziemlich deftig zu und her. Willst Du das Video einmal zusammen mit uns ansehen?


Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Strom des Lebens. Wilhelm Raabe 

• Wenn du Erich Kästner magst, bringe ich dir ein Buch von ihm mit und lese dir daraus vor.

Humor im Alltag zu leben, heißt also längst nicht nur Witze erzählen. Vielmehr ist Humor eine Geisteshaltung, dank der man das Leben nicht allzu ernst nimmt. Betroffene und Angehörige chronisch kranker Menschen nähern sich mitunter recht zaghaft dem Thema Humor. Oft liegt der Schmerz über die Erkrankung und das Leiden der nahen Verwandten oder Freunden wie ein schweres Gewicht auf ihren Schultern. Das gibt ihnen vor allem zu Beginn der Krankheit manchmal kaum Freiraum für Heiterkeit und Lachen. In solchen Momenten kann es für Angehörige sehr erleichternd sein, wenn sie beim Therapeuten Heiterkeit spüren oder Lachen hören.


Humor ist, durch die Dinge hindurchsehen, als ob sie aus Glas wären. Kurt Tucholsky

Nicht selten nehmen Therapeuten eine Art Katalysator- Funktion ein, um Humor zum Leben zu erwecken. Angehörige sind deshalb oft dankbar für Anregungen, wie Heiterkeit trotz und mit Krankheit im Alltag spürbar werden kann.             Quelle: IREN BISCHOFBERGER


Man kann an diesen wunderbaren Beispielen die Wege erkennen, aus einer scheinbar ausweglosen, traurigen Situation herauszukommen. Aber laufen und nachmachen müsst Ihr schon selbst.

Ich wünsche allen zaghaften viel Mut, diesen Weg zu gehen. Alles Gute wünscht Euch

Ihr Dieter Schmidt

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Kommentare: 1
  • #1

    Simone (Freitag, 19 August 2011 14:16)

    Ja ich habe heute schon gelacht!

    Mein Humor hat mir auch über so manche schwere Zeit hinweg geholfen, z. B. wo ich ständig und lange im Krankenhaus war.
    Viele fragten mich damals, wie kann ich nur immer so froh sein, wenn ich doch sowas habe..sie ziehen den Hut vor mir.
    Ich bin so gar nicht der Mensch, der jammert oder sich beklagt. Jeden Tag erfreue ich mich auf Neues, z. B. es ist so schönes Wetter und die Sonne strahlt.

    Selber nehme ich mich manchmal gar nicht ernst.
    Die Epilepsie nehme ich so wie sie ist, ändern kann man daran nichts.
    Wieso soll ich mich auch mit sowas verkriechen.
    Entweder nimmt man mich so wie es ist od. man lässt es.
    Humor ist wirklich sehr wichtig.