Epileptische und dissoziative Anfälle - die Abrenzung

 

Bekommt man seinen ersten Krampfanfall, stellt sich die Frage nach Herkunft und Auslöser dieses erschreckenden Ereignisses. Manchmal beginnt eine lange Odyssee der Suche und Symptomeingrenzungen, in anderen Fällen probiert man sofort Antiepileptika und schaut, ob sie Linderung verschaffen.

Helfen die Antiepileptika, kann man von einem epileptischen Geschehen ausgehen, bleibt die Wirkung aus, liegt entweder ein falsches Medikament oder die falsche Ursache vor.

 

 

Ganz so einfach, wie sich das alles anhört, ist es natürlich nicht, denn jeder Mensch reagiert verschieden auf die unterschiedlichsten Wirkstoffe und auch die Psyche spielt bei Krampfanfällen keine ganz untergeordnete Rolle.

 

Viele Patienten beschweren sich, dass sie sich als Versuchskaninchen behandelt fühlen, jedoch sollte man bedenken, dass dies auf jeden Fall die bessere Alternative ist, statt sich mit einer falschen Diagnose vielleicht jahrelang mit den falschen Medikamenten herumzuschlagen.

 

Denn so verrückt das klingen mag, wenn epileptische Anfälle auch von hirnorganischem Ursprung und dissoziative/psychogene Anfälle von bisher geglaubter psychischer Herkunft sind (neue medizinische Forschungsansätze finden sich in untenstehendem Video), ist es nicht einfach die beiden Anfallsarten voneinander zu unterscheiden.

Im medizinischen Sinne ist dies jedoch zwingend notwendig, da die Behandlungen ganz unterschiedlich ansetzen.

 

 

Wenn wiederholt ambulante Untersuchungen nichts ergeben haben und parallel dazu verschiedene epileptische Therapieversuche nicht anschlagen, sollte der Patient auf eine Überweisung in eine spezialisierte Epilepsieambulanz oder zu einem Monitoring bestehen.

Bei letzterem wird während einer dauerhaften EEG Ableitung eine Videoaufzeichnung gemacht. Oft auch unter Schlafentzug oder einer Anfallsprovokation.

Lässt sich hierbei ein Anfall beobachten, kann der geschulte Fachmann anhand einiger Merkmale die Herkunft des Anfalls bestimmen und damit die Therapie optimieren oder sogar komplett umstellen. Nicht selten entpuppen sich epileptische Anfälle als dissoziative, nicht-epileptische Anfälle oder umgekehrt. Auch beide Arten der Anfälle können Patienten haben.

 

Was medizinisch zwar schwierig, aber unerlässlich ist, könnte im sozialen und privaten Zusammenhang beinahe komplett außer Acht gelassen werden, denn die Patienten kämpfen mit denselben Schwierigkeiten.

Doch gerade hier ist genau das Gegenteil der Fall. An Punkten, wo die Patienten zusammenhalten und sich gegenseitiges Verständnis geben könnten, fangen erneut die Ausgrenzungen an.

Und nicht selten sind genau die Menschen, die sich über die Ausgrenzung wegen ihrer Epilepsie beschweren, auch die Personen, die jetzt ihre "Kollegen" mit dissoziativen Anfällen ausgrenzen. Gibt es also „bessere“ oder „echtere“ Anfallspatienten? Wohl kaum.



Menschen mit dissoziativen Anfällen haben oft Selbst eine Epilepsie, oder beispielsweise ein Trauma, das die Anfälle ausgelöst hat. Neue Untersuchungsergebnisse zeigen auch einen Zusammenhang mit der Atmung und weiteren Faktoren (siehe untenstehendes Video). Sie haben also keine Wahnvorstellungen und sind auch nicht „verrückt.“ Man kann die Anfälle auch nicht gegeneinander aufrechnen, was schlimmer oder besser ist. Was meines Erachtens nach sowieso eine Unart ist, die im Allgemeinen viel zu oft unter Kranken an der Tagesordnung ist.

 

Nein, dissoziative oder psychogene Anfälle sind so wenig beeinflussbar wie Herz-, Kopf- oder Magenschmerzen bei Aufregung oder das „rot werden“ wenn man sich schämt.

 

Wenn Patient A eine Gastritis wegen Stress bekommt, denken die meisten Menschen an Überarbeitung, wenn Patient B aber einen diss. Anfall wegen derselben Ursache bekommt, wird er meist als verrückt abgestempelt. Mitunter sogar von Epileptikern oder Ärzten. Die Gründe kann ich nicht ganz nachvollziehen, sind sie nicht nur absolut kontraproduktiv, sondern auch ungerecht und diskriminierend.



Mittlerweile haben immer mehr Epilepsiekliniken dieses Defizit erkannt und behandeln ihre Patienten mit dissoziativen Anfällen genauso intensiv wie ihre Patienten mit epileptischen Anfällen. Das ist ein guter Weg und ich hoffe, dass er Schule machen wird.



Der menschliche Umgang ist damit allerdings noch immer nicht verbessert. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass mein gesamtes Umfeld meine epileptischen und dissoziativen Anfälle sehr gut aufgenommen hat und mich niemals ausgrenzte, obwohl ich zeitweise mehrere schwerere Anfälle am Tag hatte.

Bei Epilepsiepatienten war ich auch immer sehr beliebt, solange man nur von meinen epileptischen Anfällen wusste. Als man mir später zusätzlich diss. Anfälle diagnostizierte, rümpften einige Mitbetroffene die Nase oder zeigten mir ganz klar, dass sie mich für „nicht ganz dicht“ hielten. Mir machte das meist nichts aus, da ich einen guten Arzt hatte, der mir den medizinischen Hintergrund gut erläuterte. Doch nicht jeder hat dieses Glück und so manches mal zweifelte ich dann doch einmal selbst an mir. Dieses neue Video rückt hier so manches gerade und ich sehe ganz neue Ansätze, die wirklich Mut machen.

 

 

Warum sehe ich diese Erkrankungs aber nun als so schwierig an, tatsächlich als viel ausgrenzender als z.B. meine Epilepsie? Das hat verschiedenste Gründe, die ich hier gerne einmal aufzählen will:

 

-Ich eröffnete stellvertretend für eine junge Frau eine Gruppe für dissoziative/psychogene Anfälle und bin entsetzt, wie viele Verbrechensopfer unter den Anfallskranken sind. Das ist ein Punkt, warum mich die Ignoranz zu diesem Thema so aufregt.

 

-Ich hatte in dieser Zeit 5 TV Anfragen, drei davon waren so inakzeptabel, dass ich die beiden letzten gleich mit den Worten, dass ich mich auf gar keinen Fall auf dramatische Geschichten einlassen würde, empfing. So wurden tatsächlich tolle Gespräche am Telefon geführt. Über eine Stunde gingen jeweils beide Gespräche, solange, bis ich erwähnte, dass ich zu meiner Epilepsie ja „auch“ dissoziative Anfälle hatte. Es wurde umgehend stiller am anderen Ende und letztlich der Dreh gecancelt.

 

-2016 erhielt ich die Anfrage, einen Vortrag zu dissoziativen Anfällen zu halten. Ich habe mich riesig gefreut, finde ich dieses Thema doch viel zu wichtig um es totzuschweigen. Doch genauso kam es. Es kam nichts mehr.

Letzte Woche dann im TV. Eine Frau erleidet einen dissoziativen Anfall und die „Retter“ beschimpften voller Häme ihre Patientin.

 

Für mich eine besorgniserregende Tatsache, die ein Ende finden muss. Zum einen, weil es wohl kaum einen Menschen auf dieser Erde gibt, dessen seelische Situation sich nicht ab und zu auf körperlicher Ebene abzeichnet, egal ob es der Spannungskopfschmerz oder der Herzinfarkt ist. Zum Anderen, weil niemand das Recht hat, einen anderen zu verhöhnen und zum Dritten, weil es immer mehr Epilepsiepatienten gibt, bei denen zusätzliche dissoziative/psychogene Anfälle diagnostiziert werden. Dazu zeigen die neuen Untersuchungen, dass sich noch weit mehr Ursachen für nicht-epileptische finden, die auch nicht psychischer Natur sind.



Ich schrieb diesen Bericht 2011 und ich war sicher dass sich in den nächsten Jahren noch einiges tun würde – positiv gesehen natürlich. Ganz so positiv entwickelte es sich dann aus meiner Sicht, bis 2016, dann doch (noch) nicht. Nun habe ich diesen Film über neue Erkentnisse gesehen und werde definitiv mal endlich wieder meinen Lungenfacharzt wegen meines Asthmas aufsuchen. Denn die u.a. als Ursache vermutete schnelle Atmung habe ich sehr ausgeprägt.

 

 

Für den Außenstehenden ist der Unterschied nur mit sehr viel Erfahrung und Wissen erkennbar, für den Patienten meist nur an der Länge des Anfalles unterscheidbar und für den Arzt immer wieder eine Herausforderung. Wäre es unter diesen Umständen nicht langsam Zeit, dass alle Anfallspatienten zusammenkommen? Daher plädiere ich für ein Miteinander. Mit gegenseitiger Unterstützung kämen wir alle sehr viel weiter.



Ich wünsche allen eine anfallsfreie Zeit, egal welcher Art ihre Anfälle auch sein mögen.

 

Hier geht es zu dem interessanten Film über nicht-epileptische Anfälle

 

Ihre Anja D. Zeipelt

 

September 2011/überarbeitet März 2016/überarbeitet Mai 2018

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Kommentare: 27
  • #1

    Dieter (Mittwoch, 28 September 2011 13:25)

    Du sprichst da etwas an, was man nicht nachvollziehen-nicht begreifen kann... oder will. Ich habe "nur" Epilepsie und kann da keine eigenen Erfahrungen einbringen. Aber vor kurzem war ich bei einem Epi-Seminar und da hatte eine junge Frau auch dissotiative Anfälle mehrmals am Tag. Sie erklärte mir hinterher, dass ihr Vater(selbst prakt. Arzt) ihr diese diss.-Anfälle nicht abnimmt. Es ist ein Drama oder sogar Trauma, was sich zwischen den beiden abspielt. Andrerseits ist diese Frau aber wieder uneinsichtig und leichtsinnig. Abends hat sie 2 halbe Bier getrunken und geraucht sowieso. Da steht man als Unwissender solcher Anfälle ganz ratlos da. Ich traute mich nicht dem Mädchen zu sagen, was ich davon halte. Es hätte ja wieder einen Anfall auslösen können. Ich glaube, dass bei diss.-Anfällen noch lange nicht alles medizinisch geklärt ist. Man kann also noch hoffen. Es könnte möglich sein, dass bei diesen Anfällen schlimme persönliche Ereignisse vorangingen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Ich finde auch, dass es ganz wichtig ist, dissoziative, epileptische Anfälle ernstzunehmen und sie auch mit den heutigen Möglichkeiten behandeln zu lassen.
    Liebe Grüsse
    Dieter

  • #2

    Anja (Mittwoch, 28 September 2011 13:40)

    Alkohol hat mit dissoziativen Anfällen genauso wenig zu tun wie Zigaretten. Die auslösenden Faktoren sind hier ganz andere wie bei epileptischen Anfällen. Es gibt sogar Literatur wo ein Glas Alkohol bei dissoziativen Anfällen mindernd wirken kann.

    Außerdem wirkt Alkohol ja auch nicht bei allen Epileptikern anfallsauslösend. Ich trinke Selbst gerne ein, zwei Gläschen Wein und es kam noch nie davon zu einem Anfall.
    Ich denke, da denken immer noch Einige zu engstirnig, obwohl es längst widerlegt ist. Jeder Patient hat das Recht heraus zu finden was ihm schadet und was nicht. Pauschalverbote finde ich unwürdig und einengend.

    Ich denke tatsächlich das man sich damit auseinander setzen muss um es begreifen zu können.

  • #3

    Dieter (Mittwoch, 28 September 2011 15:20)

    Danke das Du mich da aufgeklärt hast. Das wusste ich nicht, dass Alkohol u. Zigaretten hier keine Rolle spielen. Aber da müssen doch irgenwelche andere Dinge im Spiel sein, die einen Anfall auslösen können. Es ist für mich ganz wichtig zu wissen, ob ich als Laie den Unterschied zwischen diss.-Anfall u. Epi-Anfall überhaupt auseinanderhalten kann. Denn in unserer SH könnten auch Leute mit psychogenen Anfällen kommen und da steh ich dann aber ganz unwissend da. Danke Anja für diesen Beitrag ;-)
    Liebe Grüsse
    Dieter

  • #4

    Anja (Mittwoch, 28 September 2011 16:46)

    Ich denke eher nicht dass Du das auseinander halten kannst. Es gibt zwar Anhaltspunkt, in Krämers Trias Ratgeber auch gut nachzulesen, aber die sind trotzdem schon für Profis nicht so einfach auseinander zu halten, da es halt immer Ausnahmen gibt. Ich war mal bei einer Ärztefortbildung dabei, wo man Filme gezeigt hat, um nach der Eingliederung (diss. oder epileptisch) zu fragen (ohne EEG), nur der Film. Da war die Trefferquote nicht berauschend, deswegen wird es wohl für einen Laien beinahe unmöglich sein.

    Der sicherste Befund kommt wohl vom Epileptologen bei einer Video EEG Ableitung, also einem Monitoring.

    Zu den Auslösern:
    Wenn z.B. jemand ein Trauma hatte(z.B. ein Missbrauch) könnte ein neuer Bericht im TV über ein solches Erlebnis ein Trigger sein und einen Anfall auslösen. Oder wenn jemand zuviel Aufregung und Stress hat. Im Prinzip ist es so als wäre das Nervenkostüm ein Eimer Wasser, der stets mit Wasser voll läuft. Und irgendwann kommt das Tröpfchen Wasser was den Eimer zum überlaufen bringt. Und das ist dann der Anfall. So anschaulich hat mir das mein Arzt erklärt und das könnte ich so für meine diss. Anfälle auch unterschreiben.

  • #5

    Caro (Mittwoch, 05 Oktober 2011 18:19)

    Hallo Anja,
    ich bin nunmehr bereits dieses Jahr das dritte Mal stationär in Kork und jetzt bereits seit 11 Wochen. Nächste Woche werde ich endlich entlassen. Heute Morgen bin ich aufgestanden und mir war schon ganz komisch und ich sagte noch ich weiß nicht aber ich glaube da kommt heute noch was. Dann habe ich mich erst mal hingelegt. Plötzlich bekam ich einen Anfall und der ging sehr lange die Schwestern holten die Ärztin dazu und gaben mir Sauerstoff. Ich hörte die Ärztin noch sagen ich solle damit aufhören wir brauchen jetzt solche Anfälle nicht und auch meine Familie würde sie nicht brauchen. Aber das ging einfach nicht. Irgendwann war es vorbei. Nach einiger Zeit kam die Ärztin und sagte mir dass ich einen psychogenen Anfall hatte. Sie würde sich dann morgen mit mir genauer darüber unterhalten. Seitdem bin ich nur noch traurig und am heulen. Ich komme mir so schlecht vor, das ganze hat so einen bitteren Beigeschmack. Ich meine ich habe doch diesen Anfall nicht von allein ausgelöst und aufhören auf Kommando geht ja erst recht nicht.

  • #6

    Anja (Mittwoch, 05 Oktober 2011 20:21)

    Liebe Caro,
    ich sag einfach mal "Du" ;-) Ich kann Deine Gefühle sehr gut nach voll ziehen. In dem Moment der Diagnose fühlt man sich nicht gut, ja, man schämt sich sogar. Obwohl man genau weiß dass man nichts dafür kann und keinen Einfluss darauf hat, kann man sich diesem Schuldgefühl kaum entziehen.
    Ich bin mir aber sicher dass Du ganz bald sehr viele Menschen treffen wirst, die auch psychische Probleme haben, die sich körperlich manifestieren. Man findet sie überall. In anderen Ländern ist dieses Bewusstsein schon weiter, dort akzepiert man die Psyche eher als ein Teil des Körpers und verlangt keine Roboterartige Perfektion. In manchen Schichten Amerikas gehört ein Therapeut sogar zum guten Ton. Wer etwas auf sich hält, braucht einen Therapeuten zur Seelenpflege ;-)
    Vielleicht helfen Dir diese Beispiele das Ganze etwas entspannter zu sehen. Und nebenei: Die Prognosen bei diss. Anfällen sind sehr ermutigend. Das schaffst Du schon!!!

    Alles Liebe
    Anja

  • #7

    Bella (Mittwoch, 12 Oktober 2011 22:37)

    Mein Sohn hat Epilepsie, die aber medikamentös gut eingestellt ist, zusätzlich hat er seit einigen Monaten dissoziative (psychogene) Anfälle, die immer schlimmer geworden sind. Nach langen Hin und Her haben wir endlich eine Klinik gefunden, die ihn optimal behandeln konnte: die Kliniken Schmieder in Konstanz am Bodensee. Mein Sohn ist zwar nicht ausgeheilt, aber es ist um vieles besser geworden und ich kann die Klinik nur empfehlen.

  • #8

    Anja (Donnerstag, 13 Oktober 2011 09:16)

    Das freut mich zu hören. Außerdem hast Du da einen wichtigen Tipp gegeben. Danke Bella und alles erdenklich Gute für Deinen Sohn!

  • #9

    Anja (Donnerstag, 13 Oktober 2011 09:19)

    Was ich noch vergessen habe, Bella. Ich hoffe , dass Du hier nochmal rein schaust. Wie haben die Deinen Sohn denn behandelt? Mich interessieren immer die Parallelen oder Unterschiede zu meiner Behandlung ;-)

  • #10

    Doris (Dienstag, 19 Mai 2015 16:08)

    Unsere Tochter (von Geburt an Lernbehindert) hat seit ca. 2 Jahren psychogene Anfälle, meiner Ansicht nach ausgelöst durch einen schweres Stalking.
    Wurde erst auf Epilepsie behandelt, nahm auf die Medikament ca. 20 Kilo zu und hatte starken Haarausfall. So wurden wir nach Hause geschickt. Nachdem die Anfälle nicht aufhörten habe ich nach langen Telefonaten eine Klinik gefunden die uns die Psychogenen Anfälle diagnostizierten.
    Seither ( 1 1/2 Jahre) sind wir auf der Suche nach einer Klinik die auch behinderte Menschen mit solchem Krankheitsbild behandeln. Von einer Ärztin sind wir an die Helios-Kliniken verwiesen worden die uns nach einem Termin (heute mit stat. Einweisung) wieder nach Hause geschickt haben. Wir als Eltern sind total verzweifelt da wir bei uns in der Gegend (Oberpfalz) total am A der Welt wohnen und keinerlei Hilfe in dieser Richtung haben. Sollte und jemand einen Hinweis geben können wären wir sehr dankbar. Einen Termin bei einem Psychologen zu bekommen ist fast unmöglich. 1. Wartezeit ca. 6 Monate wenn überhaupt und da unsere Tochter noch dazu eine Behinderung hat fast unmöglich.

  • #11

    Anja (Dienstag, 26 Mai 2015 11:40)

    Liebe Doris, das tut mir schrecklich leid für Euch. Wenn man vergeblich hilfe sucht, ist das sehr sehr schlimm. In dieser region fällt mir aber auch Niemand ein. Ich würde Dir raten, Dich an den Bundes-Elternverband zu wenden. Susanne ist eine wunderbare Frau, die Dir sicher eine Adresse nennen kann. http://www.epilepsie-elternverband.de/103.0.html Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute!!!

  • #12

    Silke (Sonntag, 28 Juni 2015 22:29)

    Hallo Anja, bin durch Zufall auf deinen Bericht gestoßen.
    Meine Tochter(bald 25 J.) bekam 2006 (kurz vor ihrem 16. Geb.) plötzlich und unerwartet diagnostizierte psychogene Anfälle - war dafür auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Desweiteren hatte sie damals auch zusätzlich noch Borderline und Essstörungen. Die zuletzt genannten Beschwerden hörten 2008 selbständig auf, die Anfälle blieben noch bis 2014. Zu Anfang im Jahr 2006 waren die Anfälle in schlimmsten Zeiten bis zu 6mal täglich ... musste sie tlw. sogar aus der Schule abholen, weil sie dort krampfend auf dem Boden lag. Seit Februar 2014 ist sie anfallsfrei .. bis jetzt.
    Nun meine Frage ... konnte/hätte können ... meine Tochter die Anfälle selbständig durch "Willenskraft" hervorrufen können? Meine Mutter behauptet, sie habe sich mit 3 Ärzten unterhalten die ihr bestätigt hätten, meine Tochter würde das "absichtlich" machen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Mich ärgert diese Aussage wahnsinnig, da meine Tochter nach dem Anfall in einen Wahnzustand verfallen ist und durch die Wohnung "gekrabbelt" ist und Dinge sah, die gar nicht vorhanden waren. Wenn nach tlw. 3 Std. alles zusammen vorbei war, wusste sie von nichts.
    Ich muss leider dabei sagen, dass sie sich seit 2008 geweigert hat, jemals wieder einen Therapeuten aufzusuchen bzw. professionelle Hilfe in Anspruch genommen hat. Während der anfallsstarken Zeit haben wir Tavor daheim gehabt, die ich ihr dann IM Anfall unter die Zunge gelegt habe ... anfangs hat das auch noch geholfen und sie nach max. 30 Minuten war der Anfall vorbei ... später hat das gar nicht mehr angeschlafen.
    Für eine ganz persönliche Nachricht wäre ich Ihnen unter SilkeEger@gmx.de sehr dankbar.
    Lieben Gruss

  • #13

    Diana (Sonntag, 13 September 2015 09:35)

    Ich habe meinen folgenden Eintrag schon in einem Anderen Thema geschrieben (Weißkittel), abe ich denke der passt besser hierher.

    Ich habe Deinen Eintrag mit Interesse gelesen, er ist zwar vor 4 Jahren geschrieben worden, aber an Aktualität hat er nichts verloren. Ich bin Gott sei Dank an einen Epileptologen geraten, der sich Zeit für mich nimmt. Eine Ausnahme? Jedenfalls gibt es noch solche Ärzte, die einen ernst nehmen und auch vertraulich sind. Er riet mir auch zu einem Psychologen zu gehen, da ich auch psychogene Anfälle habe. Deren Ursprung liegt wahrscheinlich in meiner schlimmen Kindheit. (Sexuell vom Stiefvater missbraucht). Leider bin ich noch zu unaufgeschlossen und selbstsicher um mich ganz zu öffnen.
    Deshalb finde ich diesen Eintrag sehr hilfreich, er macht Mut. Ich danke Dir dafür.
    ganz herzliche Grüße von Diana

  • #14

    Anja (Dienstag, 15 September 2015 10:11)

    Liebe Diana,

    in den letzten Jahren habe ich sehr oft mitbekommen, dass häufiger Menschen mit dissoziativen Anfällen, eine ähnliche Vergangenheit wie Du hatten. Ich wünschte sehr, dass Richter und Behörden die Strafmaße dementsprechend anpassen und Behörden den Opfern mehr Beachtung/Hilfen schenken würden. Vielleicht gäbe es dann weniger Menschen, die unter dissoziative Anfällen leiden müssen. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute!!!

  • #15

    dieter (Freitag, 11 März 2016 11:13)

    Hallo Anja,
    Dein erweiterter Blog läßt viele Betroffene, aber auch Laien diese komplizierte Kombination (dissotiativ/epileptisch) besser verstehen. Ich habe nicht gewußt, dass Deine Öffentlichkeitsarbeit gerade bei diesem Thema so beschnitten wird. Ich denke, dass selbst Ärzte hier noch viel Nachholbedarf haben. Mir hast Du hier einen besseren Einblick in gerade diesem Thema verschafft. Ich glaube es wissen nur wenige (und die sind meist Betroffen) über diss-Anfälle und den Auswirkungen Bescheid. Ich möchte Dir danken, dass ich bei der Verbreitungs-und Öffentlichkeitsarbeit helfen kann.
    liebe Grüße
    Dieter

  • #16

    Julia (Freitag, 25 März 2016 12:55)

    Hallo Anja,
    Ich wollte fragen wie du es geschafft hast, die dissoziativen Anfälle anzunehmen ?
    Ich habe auch beide, epileptische und dissoziative. Mich erklären die meisten immer noch für verrückt. Stellen bei dir auch alle die dissoziativen Anfälle in den Mittelpunkt und wollen dich auch immer alle in die Psychoecke stellen?

    Mir gefällt deine Seite sehr gut! Noch nie habe ich von einer selbstbetroffenen so was gelesen. Alles was du schreibst stimmt.

    Deine Julia

  • #17

    Anja (Freitag, 25 März 2016 13:26)

    Hallo Julia, ich brauchte keine drei Sekunden um die Dissoziativen Anfälle anzunehmen. Ich war mit bis zu 8 Anfällen am Tag einfach am Ende und wollte Hilfe, mir war völlig egal wie diese Hilfe aussah und wie sie benannt war, Hauptsache ich bekam sie endlich. Schließlich hatte ich eine Familie und wollte wieder voll "funktionieren".

    Was Deine andere Frage anging: Da ich ja nicht nur diss. Anfälle, sondern auch epileptische Anfälle hatte und selbst kaum den Unterschied ausmachen konnte, sah ich überhaupt keine Veranlassung diese Unterscheidung anderen gegenüber zu erklären. Obwohl ich es auch nicht verheimlichte. Da der Ursprung meiner diss. Anfälle allerdings ein Verbrechen gegenüber meiner Familie war, wollten die wenigsten wohl mehr darüber wissen und waren froh wenn ich den Mund darüber hielt. Was aber auch in meinem/unseren Sinne ist. Man muss Erlebtes - nach einer angemessen Therapie - auch ruhen lassen können um es zu verarbeiten. Nur deswegen bin ich heute dissoziativ anfallsfrei, solange ich Trigger meide. Würde ich ständig wieder damit konfrontiert hätte ich auch wieder Probleme.
    Wenn Du also auch den Auslöser Deiner diss. Anfälle kennst und den Ursprung verarbeitet hast, dann lasse Dich nicht immer wieder triggern. Ich rede nur darüber wenn ich es will und bereit dazu bin. Und ich eine Schiene lasse ich mich schon garnicht pressen.

    Hast Du es noch nicht verarbeitet, wäre eine entprechende Verarbeitung vielleicht erwägenswert. Du musst aber bereit dazu sein, sonst macht es keinen Sinn. Manchmal ist es ja tatsächlich auch "nur" sie Angst vor den Anfällen oder den Menschen die Angst vor "Epis" haben und unangemessen mit uns umgehen. Diesen Ängsten kann man sich auch stellen lernen.

    Es kann schon sehr verschieden sein warum man diss. Anfälle bekommt. Das Umfeld kann dann sehr hilfreich sein, es kann aber auch gerade ins Gegenteil umschlagen - je nachdem wer was sagt.

  • #18

    Julia (Freitag, 25 März 2016 18:59)

    Hallo Anja,
    Ich habe noch dazu eine leichte geistige Behinderung und tue mir oft schwer Zusammenhänge zu verstehen. Das erschwert meine Situation.
    Ich kriege als Trigger auf laute plötzliche Geräusche erst einen epi Anfall (reflexanfall) was sich dann in einen dissoziativen Anfall verselbständigt.
    Ich kriege auch nur einfach so einen dissoziativen Anfall bei starken Gefühlen. Ich setze mich schon mit den dissoziativen Anfällen auseinander.
    Ich wohne in einer Wohngruppe für behinderte Menschen.

    Deine Julia

  • #19

    Anja (Samstag, 26 März 2016 08:42)

    Liebe Julia,

    in Deiner speziellen Situation kann ich mir gut vorstellen dass es Dir dann besonders Schwierigkeiten macht. Viel mehr als es bei mir der Fall ist. In einer Wohngruppe hat man ja sicher fast gar keine Möglichkeiten sich Geräuschen und Gefühlen zu entziehen. Und natürlich ist man auch den Meinungen Anderer mehr ausgesetzt. Das ist sicher oft schön, wenn man Gesellschaft möchte, aber auch nicht ganz so einfach einfach, wenn man mal Ruhe braucht.


  • #20

    Anne (Dienstag, 18 Oktober 2016 14:23)

    Dienstag, 18. September 2016
    Hallo an alle, die sich in diesem Forum gemeldet haben. Ich bin als Oma eines acht Jahre alten Mädchens sehr verzweifelt. Die Krankheit begann im April dieses Jahres damit, dass meine Enkeltochter ihren rechten Fuss nach innen stellte und einen eigenartigen Gang annahm. Sie ist von Kinderneurologen auf den Kopf gestellt worden. Organisch sei alles ausgeschlossen, lauteten alle Untersuchungsergebnisse. Mittlerweile hat sich das Bild stark verändert. Das Kind befindet sich in einem Dauerkrampf und soll psychologisch behandelt werden. Aber es ist nicht leicht, einen Termin in entsprechender Klinik zu bekommen. Seit zwei Wochen sind die Dauerkrämpfe so extrem geworden, so dass das Kind gar nichts mehr kann. Selbst im Liegen krampft der ganze Körper. Nun hat man sie heute ins Krankenhaus gebracht. Dort liegt sie nun, bekommt aber keinerlei Medikamente, die sie irgendwie zur Ruhe kommen lassen könnten. Wir wohnen im Kreis Vechta in Niedersachen. Kann uns jemand eine gute Klinik empfehlen. Es ist zum Verzweifeln.

  • #21

    Anja Zeipelt (Dienstag, 18 Oktober 2016 15:51)

    Halle Anne, es tut mir furchtbar leid und ich kann Eure Sorgen nachvollziehen. Leider weiß ich da auch keine Klinik, gerade für Kinder ist es sicher noch schwerer. Ich würde sie aber nochmals neurologisch in einer Spezialklinik durchchecken lassen. Am 20.10. gibt es auch die Möglichkeit bei unserer Telefonaktion anzurufen und die Situation Dr. Burghaus zu schildern. Vielleicht kann er Euch einen Rat geben, welche Art von Klinik die richtige ist. Hier ist die Info zu unserer Telefonaktion, inklusive der kostenlosen Rufnummer. http://telefonaktion.info/themen/leben-mit-epilepsie%3Cbr%3Ewas-tun-gegen-den-gewittersturm-im-kopf

  • #22

    Rita Erber (Montag, 05 Dezember 2016 14:49)

    Hallo zusammen, es gi´bt in Bielefeld die Mara Klinik. Mein Sohn war dort und die habe gut geareitet. Auch Kinder sind da gut aufgehoben.
    Alles Gute für die kleine Maus!!!

  • #23

    Dieter (Donnerstag, 17 Mai 2018 10:09)

    Der Film passt ganz prima zu Deinem Thema, ich hoffe, dass dies ein Schritt in die richtige Richtung bringt

  • #24

    Vero (Mittwoch, 03 Oktober 2018 09:47)

    Ich (komme aus Vechta) bin seit fast zehn Monaten im fünften Krankenhaus. Und bin am 08. Januar 2018, mit der Diagnose Burnout auf die PSM Quakenbrück gegangen. Am 09.01.2018, bekam ich Ausfälle der linken Körperhälfte. Einen Tag später kamen Wort-, Satz- und Sprachstörungen dazu (fast vier Wochen konnte ich kaum oder gar nicht sprechen) und drei Tage später konnte ich fast zwei Wochen gar nicht bzw. fast nichts essen. Nach acht Wochen wurde ich endlich auf die Neurologie verlegt, weil ich drum gekämpft habe, endlich untersucht zu werden. Dort hatten sie die Diagnose Borderline( zu diesem Zeitpunkt noch nicht getestet-nur geschrieben) im Bericht gelesen und wurde dementsprechend ohne Befund entlassen. Obwohl ich ein Shuntventil implantiert im Kopf habe. Sie sollten alles untersuchen, damit ich endlich an die Sache arbeiten (verarbeiten) konnte. Danach kamen weitere Aufenthaltezur Diagnostik, PSM und eine weitere Neurologie. Seit Ende Juni 2018 bin ich nun hier auf der PSM in der Ameosklinik in Osnabrück. Hier wurde die Diagnose Dissoziative Anfälle (vom völlige Blackout bis zu schweren Krämpfen) gestellt und weitere Diagnosen getestet und zum Teil bestätigt. Ich habe noch eine weitere grosse Diagnostik, nächste Woche vor mir. Ich habe nun noch einige Monate vor mir hier in der Klinik. Ich erlerne Techniken... , mit Hilfe der Therapeuten und Ärzte, wie z. B. im rechtzeigen Augenblick, z. B. mit Skills, Entspannungsübungen... umzugehen bzw. anzuwenden. Mir ist oft nur noch zum heulen zumute. Fest steht, daß diese dissoziativen Anfälle, meistens durch schwere und lange Traumata (meist aus der Kindheit) entstehen.

  • #25

    Birgit (Mittwoch, 10 Oktober 2018 22:21)

    Hallo,ich bin heute Abend das erste mal auf dieser Seite. War auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe. Mein Sohn ist 21 Jahre. Der erste Anfall war vor 2.5 Jahren. Seit ca. einem Jahr sind wir davon überzeugt,dass er dissoziative Anfälle hat. Leider hat es kein Arzt geglaubt. Dazu sind Panikattacken und Angszustände gekommen. Er war deswegen neun Wochen in der Psychiatrie und ist seit einer Woche in einer Klinik die auf dissoziative Anfälle spezialisiert ist. Abgesehen davon, dass mein Sohn furchtbar leidet, bin ich auch inzwischen an meine Grenzen gekommen, weil ich bei den meisten Anfällen dabei war.....sie sehen wie epileptische Anfälle aus,mit Bewusstlosigkeit,das Gesicht läuft blau an,die Atmung setzt aus, er ist mehrfach aus dem Stand gestürzt und ich werde die Bilder und Geräusche nicht los. Wenn ich einen kleinen Knall oder ähnliches höre kriege ich Herzrasen und Panik. Nicht sehr hilfreich für meinen Sohn...vielleicht hab ich hier die Möglichkeit zum Austausch. Bestimmt gibt es Angehörige die Ähnliches erlebt haben. Dies war ja nur ein kleiner Auszug von den vielen schlimmen Erlebnissen. Auch bei ihm gibt es Traumata, die die Anfälle auslösen.

  • #26

    Anja Zeipelt (Donnerstag, 11 Oktober 2018 09:11)

    Hallo Birgit, zuerst einmal tut es mir leid, dass Dein Sohn aufgrund eines Traumatas diese einschneidenden Folgen hat. Hier ist leider kein geschützter Raum um sich auszutauschen, ich habe aber bereits vor Jahren eine spezielle Gruppe bei Facebook gegründet, wo man sich in geschütztem Raum austauschen kann. Sie heißt "Dissoziative Bewegungsstörungen und psychogene Krampfanfälle." Ich selbst bin zwar nicht mehr dort, weil mich die vielen Berichte triggerten, aber sie ist toll für den Austausch und geschützt vor neugierigen Blicken. Alles erdenklich Liebe, Anja

  • #27

    Elena (Freitag, 09 November 2018 13:46)

    Hallo Birgit,

    kann Du die Klinik bitte nennen, die auf diese Anfälle spezialisiert ist.

    Vielen Dank!