Epilepsie und Herbstblues

er legt sich immer in den Wind: der Drachen
er legt sich immer in den Wind: der Drachen

Gerade im Herbst haben die meisten Menschen einen Stimmungsabfall und es fällt den meisten Menschen schwer sich wieder daraus zu befreien. Wer einen Job hat oder Kinder die einen zum aufstehen zwingen, dem gelingt es besser mit dem Jahreszeittypischen Phänomen fertig zu werden.

 

Wer aber, beispielsweise, unfreiwillig, durch eine Krankheit, kein „Muss und Zwang“ zum funktionieren hat, dem fällt das „Kopf hoch halten“ oft sehr viel schwerer. Die wohltuende Sonne versteckt sich hinter dichten Wolkendecken, die Temperaturen sinken und das Licht wird dunkler. Eine Biologische Zeit der Ruhephase beginnt, wenigstens in der Pflanzen- und Tierwelt. Bei uns Menschen ist das anders geworden. An den Tagesabläufen ändert sich nicht viel, außer , das die Tage immer kürzer werden an denen die Arbeit getan werden muss. Stunden die einem täglich fehlen.

 

Manche Menschen fangen an zu hetzen, andere erlauben sich schon mal den Gedanken an den Sinn und Zweck dieser ganzen Situation und sehnen sich nach einem Leben bei dem sie eine klare Aufgabe haben, die sie erfüllt und antreibt.

Gerade Epilepsiepatienten haben hier einen harten Pfad zu gehen, denn mit vermehrten Infekten, häufen sich manchmal auch Anfälle und die gedrückte Stimmung lässt einen viel zu viel nachdenken und auf Signale des Körpers achten, die man nicht gleich zuordnen kann. Dinge, über die man im Sommer, wenn die Sonnenstrahlen den Körper wärmen, einfach mit einer Handbewegung weg streicht, werden im Herbst plötzlich zu einem schwermütigen Gedanken der die Psyche belastet.

 

Speziell Epilepsiepatienten haben eine höhere Gefahr an Depressionen zu erkranken. Die erschwerten Lebensumstände, die eingeschränkten Freiheiten, das Tabu und das Gefühl nicht verstanden zu werden, führen manches Mal in ein dunkles Loch. Wichtig ist hier, den Anfängen zu wehren. Gehen Sie bei emotionalen Problemen zum Arzt. 

 

Haben Sie nur düstere Stimmungen, kann es wichtig sein diesen nicht nach zu geben. Auch ich falle ab- und zu in eine grüblerische Starre, die mich einzufangen droht. Im Sommer gehe ich dann einfach nach draußen und lasse mir die Sonne warm ins Gesicht scheinen oder den warmen Wind die dunklen Gedanken vertreiben. Im Herbst wird es schon schwieriger, denn die Sonne ist kaum mehr zu sehen und der Wind lässt uns nur noch frösteln.

Deswegen kommt auch bei mir schon einmal der November Blues durch und ich lasse mich einen Moment fallen. Doch spätestens nach einer Stunde zwinge ich mich dann wieder an etwas schönes zu denken. An eine schöne heiße Tasse Tee, an die Weihnachtsdekoration die ich bald aufhängen will und ob ich etwas Neues basteln könnte.

 

Brauchen Sie etwas mehr Abwechslung, dann scheuen Sie sich nicht danach zu fragen. Mit Nachbars Hund Gassi gehen zum Beispiel, Kekse backen für die Menschen im Altenheim, ein Bild malen, eine Geschichte schreiben, sich Geschenke ausdenken für die Menschen die wir lieben.

Das hilft nicht nur unserer Seele, sondern es erinnert auch daran das es so viele wichtige und schöne Dinge auf der Welt gibt. Und wenn Sie das alles aus Zeitnot nicht schaffen, das lassen Sie einfach einmal etwas liegen und entspannen Sie sich.Denn auch unsere Seele braucht Zeit um sich etwas Gutes zu tun, damit der Novemberblues nur eine normale herbstliche Stimmungsschwankung bleibt und vor dem längeren Herbstblues die wunderschöne Weihnachtszeit kommt.

 

Ich würde mich freuen zu hören was Sie gegen den Novemberblues tun…

 

Ihre Anja D.-Zeipelt

 

Anmerkung: Ein netter Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, das hier noch eine Unterscheidung fehlt.

Der Epilepsiepatient kann auch durch Medikamente Depressionen bekommen und es gibt auch depressive Phasen die im Anschluss an Anfälle auftreten (postiktale Phase). Diese gehören natürlich in die Behandlung eines Spezialisten, der gezielt helfen kann.

 

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Kommentare: 8
  • #1

    Matthias Baumgartner (Freitag, 18 November 2011 17:50)

    Sehr geehrte Frau D.- Zeipelt!
    Ich habe den vorstehenden Bericht aufmerksam gelesen und kann mich nur wundern. Klar ist eine Herbstdepression nichts anderes als ein Novemberblues, der saisonal bedingt ist. Anders verhält es sich jedoch bei Patienten mit Anfallsleiden, wie z. B. der Epilepsie. Hier gibt es verschiedene Ursachen, wie medikamentenbedingte, chirurgische, anamnestische oder lokal bedingte Ursachen so. Hier wird es auch kompliziert, denn Epilepsiepatienten haben n der Tat ein erhöhtes Risiko zusätzlich an einer Depression zu erkranken. Dabei handelt es sich dann um eine echte Depression, die auch alle Schweregrade betreffen kann. Ebenso steigt hierdurch das Suizidrisiko und die Suizidrate unter Epilepsiepatienten signifikant an.

    Ich bitte Sie diese beiden Sachverhalte zu unterscheiden und deutlicher voneinander zu trennen. Eine Depression gehört in professionelle Hände wie dem Psychiater oder dem Psychologen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Matthias Baumgartner

  • #2

    Anja (Freitag, 18 November 2011 18:42)

    Lieber Herr Baumgärtner,
    narürlich haben Sie recht wenn Sie von einer Depression sprechen, dann sprechen Sie von einem Krankheitsbild, das, wenn es sich um eine echte Depression handelt, in fachkundige Hände gehört.

    Ich werde diesen Einwand berücksichtigen und das Thema in Novemberblues umbenennen, von dem ja ganz viele Epilepsiekranke betroffen sind, dem man allerdings tatsächlich den Anfängen wehren kann.

    Ich möchte gerne einen Arzt zitieren, der sich letzte Woche auf dieses Thema bezog. Er meinte das man diesen negativen Gefühlen nicht zuviel Raum geben sollte, da diese dann unweigerlich in die Depression führen würden. Man könne aber mit spazieren gehen, sich etwas Gutem tun u.s.w. eine Umlenkung herbei führen.

    Dieser Aussage kann ich aus eigener Erfahrung und aus Erfahrungen aus meinem Umfeld nur zustimmen und genau deswegen habe ich versucht etwas Hoffnung zu verbreiten, ohne zu tief in das Thema ein zusteigen.

    Schiebt man alle Probleme auf Medikamente oder die Krankheit fällt man zu oft in eine defensive Haltung die kontraproduktiv sein kann, denn man glaubt machtlos zu sein und lässt sich unter Umständen in dieses Loch fallen. Dem wollte ich mit meinem Beitrag absichtlich nicht von Beginn an Raum geben.

    Es freut mich, das Sie sich engagieren und wünsche Ihnen allerbeste Tage

    herzlichst Anja


  • #3

    Matthias (Freitag, 18 November 2011 19:12)

    Als Tip : www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/live/.../depressionen/depres.pdf

    Speziell Epilepsiepatienten haben eine höhere Gefahr an Depressionen zu erkranken.

    Aus ihrem Skript oben


    MfG

    Baumgartner

  • #4

    Anja (Freitag, 18 November 2011 19:29)

    Vielen herzlichen Dank für den Link, er führt wirklich tief in die Materie von Depressionen bei Epilepsie.

    So sind jetzt tatsächlich alle Aspekte von schlechter Stimmung abgedeckt, von dem einfachen Novemberblues bis zur Depression und ich hoffe, das alle Betroffenen bald wieder lächeln können - und sich hier vielleicht mit ihren Erfahrungen beteiligen.

    Natürlich kann man hier anonym schreiben, es muss niemand Angst haben, das er sich unabsichtlich outet.

  • #5

    Dieter (Freitag, 18 November 2011 20:12)

    Ich habe mit Depressionen oder Schwermut ziemlich wenig zu tun, dafür bin ich zu positiv eingestellt und habe auch ein gutes Umfeld das ab und an mit dem Zeigefinger kommt ;-). Winter-Depri`ich weiß nicht, da wird viel dummes Zeug geschrieben. Ich hatte einmal eine depressive Phase, als ich wegen meiner Krankheit entlassen wurde. Die dauerte allerdings 3 Jahre. Aber Umfeld, Nachbarn und gute Ärzte habe mich da wieder rausgeholt und mir das wesentliche des Lebens vor Augen geführt. Aber dazu gehört Willen u. Kraft.
    Zwischendurch kommt wieder ein "Hänger", aber das kann ich jetzt locker bewältigen. Man muss halt seine eigenen Grenzen kennen ;-)
    Liebe Grüsse
    Dieter

  • #6

    Uwe (Dienstag, 22 November 2011 08:24)

    Das Bild oben mit dem Drachen ist Sinnbild für "Aufwind"
    und da kann einem das Herz ja aufgehen, also hier ein Beispiel für herbstliche positive Möglichkeiten. Aber man muss da halt bei stürmischem Wetter raus, was mancher gar nicht mag.
    Dein Drachen Anja fliegt zwar wunderbar, wenn der Wind von vorn kommt. Aber wie siehts aus wenn er von hinten kommt? (Bei Deinem Bild kommt er von vorn u. von hinten, auch nicht schlecht. aber leider ein Traum)
    Gruß
    Uwe

  • #7

    Anja (Dienstag, 22 November 2011 10:41)

    Was soll ich sagen Uwe, soviel Gedanke habe ich mir über die Windrichtung des Cliparts nicht gemacht. Ich wollte nur Hoffnung geben und in der Regel ist ein Wind von hinten mir lieber als Gegenwind, da ich den Drachen lenke. Wie es im Leben so läuft, wenn das Schicksal zuschlägt man man nicht daran ändern, aber was man daraus macht ist in eigener Hand.

    Allerdings habe ich schon einige Zeiten gehabt, wo nicht nur ein Wind kam, sondern uns ein Hurrikan umriss.
    Die Epilepsie war bei uns dagegen nur noch ein lästiger Gegenwind.


    Aber ich bin wieder aufgestanden, es war zwar ein harter Kampf, aber ich habe mich wieder in den Wind gelegt und habe weiter gemacht.
    Vielleicht weil ich zu stur zum aufgeben bin? Oder weil, wie mein Mann immer sagt, es bei uns einfach keine Ruhepausen für ein geregeltes Leben und zum nachdenken gibt. Ich weiß es nicht.

    Ich habe im TV ein wunderbares Beispiel für eine Kämpferin gesehen. Sie wurde mehrfach vergewaltigt und gequält auf der Arbeit. Und sie sagte "es wäre sehr viel einfacher gewesen sich aufzugeben und zurück zu ziehen. Aber ich habe gekämpft und jeden Tag ein Stückchen mehr von mir zurück bekommen"

    Oder um auf die Epilepsie zurück zu kommen. Ich habe Bekannte die haben einen Sohn der täglich um die 100 Anfälle bekommt und auch sonst schwer behindert ist. Und was machen diese Leute? Sie kämpfen für sich, ihren Sohn und andere Epilepsiebetroffene. Wenn ich diese Eltern sehe, kommen mir die Tränen vor Rührung - dafür, wie sie sich einsetzt und vor Stolz sie zu kennen.

    Ich könnte hier unendlich weiter erzählen, denn ich hab viele solcher Menschen kennen gelernt. Für mich sind diese Menschen ein ewiges Beispiel das man wieder aufstehen kann und ich habe das Glück immer wieder solche Menschen zu treffen. Seltsamerweise sind es meist genau die, die das Schiksal so richtig gebeutelt hat, die sich für andere engagieren und einsetzen.
    Nach dem Motto: Erst wenn man am Boden war, weiß man das Leben zu schätzen.

    Deswegen wünsche ich allen, das sie wieder aufstehen, den Sturm nicht siegen lassen und sich über Gegenwind nicht zuviele Gedanken machen. Ich wünsche ihnen eine liebevolle Hand und ein unerwartetes Lächeln von einem völlig Fremden, denn auch das kann unerwartete Kräfte frei setzen.

    Denen, bei denen es bereits zu einer Depression gekommen ist, wünsche ich einen verständnisvollen Arzt und eine erfolgreiche Therapie.

    Und allen: einen unbesiegbaren Hoffnungsschimmer!! :-)

  • #8

    Dieter (Dienstag, 22 November 2011 21:37)

    Ja Anja, dem ist nichts hinzuzufügen ;-) Ich wünsche allen hier im Forum viel Kraft und Zuversicht, auch an den traurigen Tagen. Es wird einem ja schon mumig, wenn man im November auf den Kalender schaut:(Allerheiligen,Allerseelen,Volkstrauertag, Buß u. Bettag, Totensonntag). Da hat die Kirche einen Teil dazu beigetragen!
    Es geht trotzdem, auch wenns manchmal schwerer geht. Schritt für Schritt und nur aufwärts, bitte!
    Ein lieber Gruss
    Dieter