Epilepsie und die Psyche

Es gibt wahrscheinlich eher wenige Krankheiten, wo die Psyche keine Rolle spielt, bei Epilepsie nimmt sie aber einen ganz besonderen Platz ein.

Nicht nur, dass psychischer Druck, also negativer Stress, Anfälle begünstigen kann, nein, gerade die „Nebenwirkungen„ der Epilepsie bescheren oft einen enormen psychischen Druck.

 

Bei jungen Menschen ist dies aufgrund der Lebensbedingungen noch höher als bei Menschen die im Alter erst Epilepsie bekommen und die Schule, Beruf und Lebensplanung schon hinter sich haben.

Kinder und Jugendliche müssen sich den Regeln des Heranwachsens stellen, wie Eltern, Lehrern und Ausbildern, zusätzlich aber auch den Regeln denen sie von der Epilepsie unterworfen werden. Und was diese Regeln angeht, sprechen die Eltern auch noch mit, was nicht immer unproblematisch ausgeht, aber auch normal und wichtig ist. Falls ein Kompromiss gefunden werden kann.

Wenn Mitschüler, Lehrer und Freunde dann kein Verständnis aufbringen, oder Vorbehalte gegen den Epileptiker haben, wird es für die Kinder besonders schwer. Vielleicht versuchen deswegen viele Eltern die Epilepsie der Kinder zu vertuschen. Ein Teufelskreis, der nur allzu oft jegliches wachsendes Selbstbewusstsein der Kinder im Keim erstickt.

Auch bei der Planung des Berufslebens können Vorurteile den jungen Patienten verzweifeln lassen.  

Junge Menschen, die ihre Epilepsie angenommen und mit ihr umzugehen gelernt haben, tun sich hier leichter. Denn sie haben einen Weg gefunden die Epilepsie so darzustellen, dass sie den Weg nicht blockiert. Doch gerade das Annehmen fällt vielen so schwer.

 

Und das ist nicht nur ein Problem von jungen Menschen, sondern ein Problem aller Altersklassen. Leider kann gerade daraus ein Teufelskreis werden. Je mehr die Epilepsie, und die Angst um die Anfälle, eine Person beherrscht, desto mehr bestimmt sie ihr Leben.

Es ist tatsächlich auffällig, das Menschen, die einen Weg gefunden haben ihr Leben mit Anfällen zu akzeptieren, viel weniger Einschränkungen haben als Menschen die ihre Epilepsie ablehnen oder nicht wahr haben wollen. Manche geben der Epilepsie auch die Schuld an allem was schief läuft. Ob das nun ein anderes körperliches oder ein soziales Problem ist. Man versucht erst gar nicht mehr in anderen Bahnen zu denken, die Epilepsie ist an allem schuld.

Oft führt auch das wiederum zu erneuten sozialen Problemen, denn es versteht sich ganz von selbst, dass man sich so nicht viele Freunde macht.  Die Epilepsie hat da aber nichts mehr mit zu tun. Es ist nur sehr viel einfacher es darauf zu schieben.

 

Ein ganz anderer Fall ist, wenn man zu den epileptischen Anfällen auch noch dissoziative/psychogene Anfälle entwickelt. Man selbst nimmt es überhaupt nicht wahr, dass die Anfälle sich von den epileptischen Anfällen unterscheiden und auch die Ärzte tun sich hier schwer. Wenn dann, z. B. nach einem Monitoring, die Diagnose fällt, sind die meisten völlig vor den Kopf geschlagen. Ich und psychogene Probleme? Niemals, das kann gar nicht sein!!! Die Verweigerung der Akzeptanz macht diese Anfälle aber nicht besser, viel eher leidet man unbewusst noch mehr. Und begünstigt die Anfälle noch weiter. Es kann aber auch andere Wege geben. Mir sagte ein Spezialist, dass es Patienten gäbe die alleine durch die Diagnose schon von ihren dissoziativen Anfällen geheilt seien. Sie akzeptierten die Problematik und fanden ein Weg damit umzugehen. Ich habe es zwar auch akzeptiert aber so ganz im Griff hatte ich die Anfälle trotzdem nicht. Aber sie wurden bedeutend weniger, was ja auch ein riesiger Erfolg war.

 

Egal wie sich die psychischen Probleme auswirken, ob ganz leicht wie bei beinahe jedem Menschen oder bereits depressiv und damit ein Fall für den Arzt, mit Hilfe von Therapeuten und in manchen Fällen auch Medikamenten kann man Hilfe annehmen und lernen zu akzeptieren. Bei vielen (außer der Depression) hilft auch schon der Weg der Akzeptanz und des Loslassens, der Weg sich neu zu erfinden. Diese Wege sind allesamt nicht einfach und es ist auch kein schneller Weg. Wenn man aber nicht den einen ersten Schritt auf einem oder gar mehrerer dieser Pfade zu gehen bereit ist, wird der alte und breit getretene Weg garantiert sehr viel schwerer und länger sein.

 

Mit besten Wünschen für Ihre seelische Gesundheit

Anja D.-Zeipelt

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Dieter (Mittwoch, 07 März 2012 17:56)

    Seelische Probleme hat wohl jeder einmal, das ist wahrscheinlich unser aller Los. Wichtig erscheint mir, in schwierigen Situationen nicht zurückzustecken. Sich auf seine positiven Seiten besinnen und danach neue Lösungen suchen. Das finde ich ist richtige Stärke und dieser menschliche und moralische Neuanfang kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Bei mir war es mein früherer Chef, den ich mir zum Vorbild nahm. Sein Motto war: Wissen ist gut, Unwissenheit ist schlecht. und: Risiko kann positiv sein, kein Risiko ist Stillstand oder sogar Rückschritt. Diese Vorbildsfunktion war für mich sozusagen ein Anker, ich ging neue Wege und das war gut so. Es geht aber nicht ohne Anstrengungen und Veränderungen, aber man kann aus Lebenskrisen gestärkt herauskommen. Wichtig ist, dass die Selbstsicherheit wieder kommt. Und dann kommt auch wieder der seelische Friede.
    Liebe Grüsse
    Dieter

  • #2

    Christiane (Dienstag, 13 März 2012 19:30)

    Bei mir geht es oft auf und ab. Manchmal hängt es mit der Epilepsie zusammen, wenn zum Beispiel nach langer Zeit wieder Anfälle auftreten, manchmal sind es die allgemeinen Lebensumstände. Jetzt geht es meiner Oma gerade sehr schlecht - darüber mache ich mir Gedanken. In der Arbeit ist es oft auch nicht so gut. Im Studium tue ich mich gerade schwer. Es geht mir schlecht, wenn ich Entscheidungen fällen muss - besonders dann, wenn ich um meine Zukunft geht. Ich weiß oft nicht, was richtig ist und was zu mir passt. Ich habe schon einige Fehlentscheidungen getroffen, die ich, wenn ich noch eine Chance hätte, so nicht noch mal treffen würde.
    Meistens sind es doch die Lebensumstände, die mich unglücklich machen. Die Epilepsie macht mir nur Probleme, wenn ich wieder akut durch Anfälle damit konfrontiert bin.
    Ich bin insgesamt dankbar, für jede Zeit, die gut ist. Ich denke, dass das wichtig ist. Es muss Inhalte des Lebens geben, die das Leben lebenswert machen, z. B. der Beginn des Frühlings, ein Kaffee in einem gemütlichen Café oder ein Bier im Biergarten. Wenn man offen ist, kann man viele solcher Dinge finden. Und dann sind natürlich Freunde wichtig, mit denen man die schönen Dinge des Lebens genießen kann. Das ist es, was mich zufrieden und froh macht und ich wünsche jedem Menschen, dass er die schönen Seiten des Lebens entdecken und genießen kann.
    Viele Grüße an alle.
    Christiane

  • #3

    jeannette (Donnerstag, 05 Mai 2016 19:23)

    MeinMann.ist psychisch krank und hat Epilepsie jetzt kombinieren sich die anfaelle

  • #4

    Tanja (Donnerstag, 02 August 2018 13:41)

    Hallo! Ich bin Tanja und 16 Jahre alt. Meine Diagnose habe ich mit ca. 9 Jahren bekommen... also vor 7 Jahren. Es ging schon zu der zeit, schulisch und familiär nicht gerade in fie best richtung und die diagnose hat mir da auch kein bisschen weitergeholfen... auch wenn ich eine harmlosere art von epilepsie hab, so tue ich mir in letzter zeit doch besonders schwer. Ich wurde von dem großteil meiner familie nixht akzeptiert, angemotut und blöd runter gemacht. Und das mit 9/10 jahren. Ich hatte es damals gehasst meine familie zu besuchen. Geburtstage und andere feierlichkeiten waren besonders schlimm für mich. Ich hatte auch aufgrund der Krankheit einen großen Verlust an Freunden... Doch so wirklich verarbeiten konnte ich das nie. Erst seit einigen Wochen denkeixh viel an früher also zu beginn der diagnose. Erst in den letzten tagen wird mir so richtig bewusst wie sehr mich das bedrückt hatte. Mir ist esnur irgendwie nie wirklich aufgefallen. Für andere war ich immwr die gutgelaunte und fröhlihe tanja doch in letzter zeit zieht mich das gaze mit der krankheit irgendwie runter...ich habe keine ahnung wieso. Ich rede eigendlich immr offen über meine krankheit und schäme mich auch nicht wirklih. Ich akzeptiere sie und verduche mein bestes zu tun aber irgendwie geht das in letzter zeit nicht....ich habe keine ahnung was ich tun soll...ist es normal dass man die geschehnisse erst einige jahre später verarbeitet? Ich habe keine ahnung. Und mit meiner besten freundin zu reden fällt mir auch scjwer, weil ich alleine schon bei dem gedanken an das geschehene heulen muss. Das musste ich frühe nie. Mit meinen eltern möchte ich auch niht wirklich reden, weil ich glaube dass sie es nicht wirklich verstehen- jeder nimmt situationen anders auf. Und mit meinem arzt möchte ich nixht über so etwas reden. Hat jemand vielleicht eine idee wie man es schafft solche erinnerungen bzw. Geschehnisse besser zu verarbeiten?
    Liebe grüße
    Tanja

  • #5

    Anja (Donnerstag, 02 August 2018 17:18)

    Liebe Tanja, das hört sich ja sehr traurig an. Tatsächlich ist darüber reden sie beste Hilfe. Auch ein Arzt kann ganz toll helfen, Du musst Deinen Mut nur etwas zusammen nehmen. Es gibt aber auch Telefonnummern für anonyme Hilfe, die Dir vielleicht helfen können, Schau mal bei http://www.telefonseelsorge.de/ Aber bitte friss das nicht in Dich hinein. Ganz liebe Grüße, Anja