Nach 11 Medi-Umstellungen in 13 Jahren ...

habe ich den Gipfel bestiegen*

(*In meinen Vorträgen habe ich stets die Metapher verwandt, dass ich nicht weiß, wie der Ausblick aussehen wird wenn man den Gipfel erreicht.)

Vor 6 Wochen noch verfasste ich einen verzweifelten Blog  voller Frust und voller offener Fragen. Wieder einmal - nur noch schlimmer als sonst. Zu allem Übel hatten wir einen Wanderurlaub geplant und natürlich hatte ich Angst vor diesem Urlaub, denn bisher schaffte ich keinen Urlaub ohne abzubauen. Doch einen halben Tag schaffte ich schon, was für eine Wanderung ausreicht - bis vor gut 10 Wochen, da wurde es schlimmer. Vor gut 6 Wochen schaffte ich dann keinen Tag mehr ohne drei-vier Schlafeinheiten tagsüber. Ich zitterte, war schwach, wacklig, vergesslich, hatte Kopfschmerzen und absolvierte mit Ach- und Krach zwei Arbeitsstunden täglich. Und das waren noch die kleineren Übel. Die Nebenwirkungen machten mich fertig, ich vertrug den neuen Wirkstoff noch weniger als die vorigen und vegetierte vor mich hin.

 

Dann kam der überraschende Durchbruch. Der frustrierende Arztbesuch, der mich zu oben genanntem Blog inspirierte, danach endlich der (längst überfällige) Gang zu einem mir bekannten Spezialisten und sofort eine andere Lösung, mit der alles anders wurde. Ich bin ein neuer Mensch, nicht mehr erkennbar, voller Vorfreude und Motivation. Kein Mittagsschlaf, keine Vergesslichkeit, keine Kopfschmerzen, kein Zittern, kein - ach Ihr wisst schon was. Aber schaut selbst, was wenige Wochen Umstellung bewirken können ...

 

 

 

Das Herz unserer Reise war unser Heim für eine Woche, bei Inge, Gerhard und den Hühnern im Landhaus Riemerfeld. Wir haben uns bei den unheimlich netten Gastleuten wie Zuhause gefühlt und hatten riesigen Spaß.

Vor der Tour auf den Jenner hatte ich am meisten Angst. Einmal auf den Weg gemacht gibt es kein zurück. Meine Freundin hatte mir schon erzählt wie anstrengend das war und ich hatte im Kopf noch dunkle Erinnerungen an letzte Urlaube, wo ich nicht durchhielt. Aber ich fühlte mich seit der Umstellung gnadenlos fit, als könne ich Bäume ausreißen und so stand ich den Dienstag Morgen auf und beschloss: "ich schaffe das!" Motivation war ein alkoholfreies Weizen und eine leckere Brotzeit. Schwindelfrei bin ich zwar nicht wirklich, aber was solls ...

Was ich nicht ahnte, ich sollte den Jenner nicht nur hoch, sondern auch noch runter laufen. Der Lohn war die Sichtung eines Murmeltieres und das unglaubliche Gefühl es geschafft zu haben.

Der Zauberwald mit Hintersee brachte Spaß für uns alle. Diese Wunderwelt war wirklich der richtige Ort um Geschichten über Fabelwesen zu erzählen. Kein Wunder, dass hier schöne Sagen entstanden. Auch hier waren wir, dank der "Berchtesgaden app", stundenlang unterwegs.

3 1/2 Stunden durch die Almbachklamm, die wir wegen Umbauten etwas umlaufen mussten, sodass es schon spannend wurde. Als der Gamsbock den Berg hinunter sprang waren wir total fasziniert. Mit faustgroßen Gesteinsbrocken als Hinterlassenschaft, die uns direkt vorbei an der Nase vor die Füße sprangen, verschwand der selten anzutreffende Bergbewohner dann wieder blitzschnell. Zurück blieben tief beeindruckte und begeisterte Zeipelts.

Wunderschön waren der Königssee mit Obersee und Wasserfall. Das war auf jeden Fall ein Höhepunkt unseres Urlaubs, was nicht nur dem lustigen Kapitän des Schiffs zu verdanken war "Der Königssee ist so kalt, wer dort als König hinein steigt, kommt als Prinzessin heraus." Die Landschaft war einfach gigantisch und auf den Fotos garnicht einzufangen. Unsere Lilli war allerdings der Star des Weges - wieder einmal.

Ein besonderes Erlebnis und am letzten Tag auch mal etwas ruhiger, war der Besuch des Falken- und Adlergeheges, wo wir Murmeltiere füttern und aus der Nähe sehen konnten. Im Gegensatz zu dem kleinen Kerl am Jenner, waren diese Zwerge doch sehr zutraulich und neugierig.

 

Die Panoramastraße des Obersalzberges sollte man auch unbedingt einmal gefahren/gelaufen sein. Wenn ich hier auch einen Rückzieher machte, als ich die Purtschelleralm auf der Spitze stehen sah - unser eigentliches Ziel, weil dort die Deutsch/Östereichische Grenze mitten durch die Hütte geht. Doch der Anblick war dann doch zu unüberwindbar steil für mich und meine Höhenangst. Wir fanden aber die Grenze auch so und standen dann mit jeweils einem Bein in D/Ö bzw und auch in B/Ö.

Zum guten Schluss: Ist es nicht unglaublich wie ein Körper sich in wenigen Wochen regenerieren kann, wenn die Medikation endlich angepasst ist? Hiermit möchte ich Mut machen weiter zu gehen, wenn man nicht glücklich ist mit seinem Arzt, mit seiner Medikation oder mit seiner Anfallshäufigkeit. Ein guter erfahrener, verständnisvoller Spezialist kann der Durchbruch sein. Vielleicht könnte das auch der Neurologe vor Ort erreichen, aber die Erfahrungswerte eines Spezialisten haben den oft entscheidenden Vorteil, dass er auch auf breitgefächerten Wegen Erfahrung hat und vielleicht die Zeitspanne zum Erfolg entscheidend verkürzen kann.

 

Ist man schon beim Spezialisten und ist trotzdem nicht glücklich, sollte man ruhig den Mut aufbringen und auch klar seine Bedenken äußern, auf seinen Bauch hören - wie mein Arzt sagt. Und zur Not wechseln.

 

*In meinen Vorträgen habe ich stets die Metapher verwandt, dass ich nicht weiß, wie der Ausblick aussehen wird wenn man den Gipfel erreicht, dass man es aber nie wissen wird, wenn man nicht weiter geht.

Was soll ich sagen, ich habe mich nun tatsächlich nach oben auf den Gipfel gekämpft und mein Ausblick war sagenhaft!

 

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Kommentare: 3
  • #1

    dieter (Dienstag, 12 Juli 2016 13:21)

    Booaahh wie gigantisch ist das denn? vor kurzem erst ziemlich unten und jetzt Gipfelstürmerin :-D Gratuliere, ich sag ja immer wieder, in jedem von uns stecken unwahrscheinliche Kräfte. Und Du hast diese Wege und Möglichkeiten gefunden (Y)
    Das alles erinnert mich an meinen Blog vor mehreren Jahren (der dornige Weg). Es macht Mut für alle hier, vielen Dank Anja für diesen Blog.
    Grüßle
    Dieter

  • #2

    Damas (Mittwoch, 13 Juli 2016 10:20)

    Toll Anja, Du bist ein richtiges "Stehaufmännchen (Frauchen)". Von Dir kann man sich echt ne Scheibe abschneiden, Aber ich glaube dass Dein Umfeld auch viel beigetragen hat. Wo nimmst Du blos diese Kraft her?
    Tanken im Urlaub und beim wandern ist ja optimal und das hast Du ohne Probleme geschafft? Dank der Mediumstellung? Das ist schon ein Glücksgefühl wert. IDeine Bilder sind soooo eindrucksvoll, hier kann man ja neidisch werden. Aber Du machst vielen Mut, das ist der wichtigste Punkt.

  • #3

    Anke Z. (Donnerstag, 21 Juli 2016 10:20)

    Liebe Anja, beeindruckend, was Du da schreibst, Du bist ja voller Tatendrang und neuer Energie, das freut mich sehr! Das ist sicherlich nach all den Strapazen ein völlig neues Lebensgefühl und macht anderen Betroffenen Mut, nicht aufzugeben, wenn die Medikation nicht passend ist. Du hast wunderbare Fotos gemacht und ich würde am liebsten auch gleich dort hin reisen! Was für eine schöne Landschaft. Alles Liebe und bis bald! Anke Z. aus Kelkheim