Körperhygiene - (nicht) selbstverständlich?

Gestern hatte ich einen Termin zur OP-Voruntersuchung. Meine Galle soll morgen entfernt werden und ich muss gestehen, ich kann es kaum erwarten dieses dauerzwickende Etwas loszuwerden.

Es ist natürlich ganz selbstverständlich, sich vor dieser Untersuchung zu duschen und frisch gewaschene Kleidung anzuziehen, eben genauso, wie man das vor jedem anderen Arztbesuch auch zu tun pflegt. Oder vor anderen Tätigkeiten, die aber hier nicht das Thema sein sollen.

 

Für mich wäre es undenkbar Kleidung anzuziehen, die ich vorher beim Kochen, beim Putzen oder im Garten getragen habe. Geschweige denn, den ungeduschten Körper, die ungewaschenen Haare einem Arzt/Ärztin oder Pfleger/in zu präsentieren. Das wäre mir hochnotpeinlich und ist für mich allenfalls bei einem Notfall entschuldbar.

Da bin auch ich schon direkt vom Sport ins Krankenhaus gekommen, aber wie gesagt, als Notfall.

 

Gestern allerdings verschlug es mir dann doch die Sprache - oder sollte ich besser sagen, den Atem? Vielleicht hatte ich einen schlechten Tag erwischt, aber in diesem Warteraum saßen gut 30% Wartende, die nach altem Dreck stanken und/oder mit schmutzigen Klamotten.

 

Zuerst glaubte ich an Notfälle, aber der nette türkische Mann im Raum war so redselig, dass er intensive Gespräche mit Jedermann führte und so kam heraus, dass die Mitwartenden genauso geplante Eingriffe hatten wie ich auch. Kein einziger Notfall war dort im Raum. Der Mann neben mir hatte ein so intensives Aroma, dass mir bei jeder seiner Bewegungen übel wurde. Der Mann neben meinem Mann hatte seine Frau mitgebracht und zusammen konkurrierten sie mit meinem Sitznachbarn. Freie Plätze gab es keine und so bleib uns nichts als warten und die Übelkeit aussitzen, die meine Galle mir auch so schon zu genüge bescherte.

 

Später unterhielt ich mich privat mit einer Schwester, die mir verriet,dass sie in ihrer Klinik mittlerweile schon Dusch Kits verteilen, mit der Bitte, es vor der OP zu benutzen. Und trotzdem kämen manche Patienten mit schwarzen Fußsohlen auf den OP-Tisch. Nähere Erläuterungen zu anderen Körperteilen erspare ich mir hier.

 

Und wir reden hier immer noch von geplanten OPs.

 

Ich meine, wir kennen solche Geruchsattacken alle vom samstäglichen Supermarkteinkauf. Wenn Menschen sich ihr Bad auf Samstagnachmittag aufgehoben haben oder die Klamotten schon tagelang tragen. Oder Friseure kennen das zu genüge - mir auch unverständlich, wie man mit fettigen Haaren zum Friseur gehen kann. Denn das stinkt erbärmlich, wenn man seine Nase darüber hat.

 

Körperhygiene sollte in der heutigen Zeit doch kein Fremdwort mehr sein. Selbst bei diversen Baumärkten hängt eine genaue Waschanleitung neben dem Waschbecken. Mit Bildern!

 

All das verwundert mich aber nicht wirklich, in vielen Menschen ist es noch von früher verwurzelt oder sie haben es nicht anders gelernt. Im Leben da draußen klar - auch wenn ich es wirklich nicht schön finde.

 

Aber im Krankenhaus? Wirklich? Muss man seine Keime so mutwillig verteilen? Muss man seine Aromen seinen Mitmenschen so unter die Nase reiben? Menschen, die gezwungen sind, die intimsten Körperstellen von einem zu berühren? Ist das wirklich nötig?

Ich bin der Meinung, nein - ist es nicht! Soviel Rücksichtnahme kann man von Jedermann erwarten.

 

Auch ohne Waschanleitung sollte es Jedermann schaffen sich überall zu säubern und saubere, frisch gewaschene Kleidung anzuziehen, bevor er in die Klinik geht.

Und damit den Respekt, den er vom Klinikpersonal erwartet, auch diesen Menschen entgegen bringen. Denn davon bekommen sie schon wenig genug.

 

Mir jedenfalls ist jetzt klar, warum der Beruf immer unbeliebter wird und warum soviele Schwestern und Pfleger aussteigen. Neben kleinem Gehalt und wenig Respekt auch noch das. Das ist mir unbegreiflich und völlig unnötig.

 

Mir ist klar dass die Leser dieses Blogs nicht in diese Kategorie Patient gehören, aber vielleicht kennen sie Jemanden, den sie aufrütteln können. Vielleicht wäre es auch gut, wenn es zu jeder Klinikeinweisung ein Merkblatt zur Körperhygiene geben sollte. Die meisten Patienten würden zwar die Stirn runzeln, weil sie es für selbstverständlich halten würden, aber um den "Stinkmonstern" wie mein Mann sie so nett nannte, vorzubeugen, wäre es vielleicht ein klitzekleiner Anfang.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Pfleger/innen und Ärzten/innen und den dazugehörigen Patienten immer ein gutes und vertrauensvolles Miteinander.

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Damas (Sonntag, 08 Januar 2017 09:04)

    das ist ja furchtbar, meinen die, das Dreck wärmt? Ich weiß, dass man durch bestimmte Gerüche epileptische Anfälle bekommen kann. Manche waschen sich halt nur einmal in der Woche. Eklig
    Ich wünsche Dir einen guten OP-Verlauf und gute Besserung.
    Liebe Grüße
    Damas