Allgemeine Op bei einer Epilepsie

Lange ärgerte sie mich schon, meine Galle. Lange überlegen musste ich deswegen nicht, als die Ärzte mir die Entnahme rieten. Raus mit dem Ding, dachte ich mir, ich wollte wieder essen können, ohne ständige Schmerz- oder Übelkeitsattacken und machte zügig einen Krankenhaustermin.

 

Da ich diese Geschichte relativ gelassen anging, war ich doch nicht wenig überrascht, dass man in der Klinik ziemlich intensiv auf meine Epilepsie einging. Meine Wunschklinik war ein Haus, in dem meine Tochter jahrelang gearbeitet hatte, eine Klinik, dessen Personal sie kannte und vertraute. Aber da dieses Haus keine neurologische Abteilung besitzt kamen doch relativ viele Fragen bei der Erstuntersuchung:

-wie müssen wir uns die Anfälle vorstellen?

-wie wurden sie ausgelöst?

-wie lange haben sie das schon?

-können  sie uns die neurologischen Befunde mitbringen? Am besten alle.

u.s.w.

 

Meine weiteren Vorerkrankungen machten das Bild nicht besser, aber die war für die Ärztin klar einzuordnen - nur die Epi war schwammig. Also setzte ich mich Zuhause an meinen PC und schrieb eine Mail an meinen Arzt an der Epilepsieklinik, der mir recht klare Tipps gab.

 

-Möglichst morgens operieren, damit der Tagesablauf nicht durcheinander gerät und ich nachts wieder normal schlafen kann.    

-Auf jeden Fall die Medikamente nehmen (auch wenn man nüchtern sein soll)

-Wenn möglich, nach dem Aufwachen eine vertraute Person in der Nähe haben

 

Mit diesen Tipps ging ich zur OP-Untersuchung und besprach alles mit dem Stationsarzt. Er war superfreundlich und ging ganz toll darauf ein. Mein OP Termin wurde von mittags auf früh morgens verschoben. Der Anästhestistin war auch sofort klar, dass ich meine Medikamente nehmen muss, da gab es gar keine Probleme und überhaupt war ich begeistert von ihr, denn sie war die erste ihres Fachs, die auf meine vernarbte Luftröhre (hat nichts mit der Epilepsie zu tun, war aber immer ein Stressfaktor bei Operationen für mich) Rücksicht genommen hat und den kleinsten Tubus vermerkt hat, um mich nicht unnötig zu quälen.

Alle infrage kommenden Medikamente wurden schon vorab auf meine Epilepsie und Allergien hin überprüft und tatsächlich stand nur meine Allergie einem Schlafmittel im Wege - alle anderen Medikamente konnten problemlos genommen werden.

Eine weitere für mich günstige Abmachung bestand darin, dass ich nur 2 statt 4-5 Tage bleiben müsse, wenn meine Tochter  sich zuhause um mich kümmern würde. Sie war an diesem Haus als zuverlässige OP und Krankenschwester bekannt und hatte sich im Vorfeld schon die Tage freigehalten. Voraussetzung war, das bei mir alles glatt lief, aber Unkraut vergeht ja bekanntlich nicht.

Da ich keinen unnötigen Stress riskieren wollte, buchte ich mir ein Einzelzimmer und stellte damit auch gleichzeitig sicher, dass mir solche Mitpatienten wie an diesem Morgen nicht passierten (siehe voriger Blog).

 

Zwei Tage später hatte ich eine tiefenentspannte Nacht und sollte um 7:00 Uhr in der Klinik sein. Um 6:00 sollte der Wecker für die Dusche klingeln, doch glücklicherweise wachte ich früher auf. Draußen war das Schneechaos ausgebrochen. Ich nahm meine Tabletten - bis zwei Stunden vorher durfte ich auch noch Wasser oder Tee trinken, duschte und wir fuhren los.

 

Pünktlich saßen wir vor der Anmeldung und lernten ein weiteres Paar kennen, mit denen wir viel Spaß hatten. Mit dieser Frau hätte ich gerne mein Zimmer geteilt. Nett, nicht jämmerlich und gepflegt. Erstens war sie aber für eine völlig andere Station vorgesehen und zweitens kann man sich seine Bettnachbarn ja auch nicht aussuchen.

 

Als ich auf Station kam, war mein Einzelzimmer doch keines. Eine junge Frau lag bereits darin, die so gar keine Lust auf small talk und mich hatte. Mein Mann wollte sie nicht stören und verließ uns schnell wieder.

Seltsamerweise war ich kein bisschen aufgeregt, die "LmaA- Tablette" hätte ich mir gut und gerne sparen können, aber der Schluck Wasser tat meiner Kehle gut. In Op Hemd und orthopädischen Strümpfen wartete ich nun lesend auf meine OP.

 

Im Op selbst hatte sich seit meiner letzten OP doch einiges verändert. Früher schaffte man es jedesmal erst nach mehrmaligem nachspritzen mich schlafen zu legen, diesmal hatte man die Kombination von zwei Mitteln, die in die Vene gespritzt wurden und einer Atemmaske. Ich schlief plaudernd ein.

 

Wach wurde ich durch den Satz "ich bringe Euch Larissas Mama." Tatsächlich war auch die Zeit im Aufwachraum anders als bei den OPs vor meiner Epilepsie. Früher fuhr man mich nach dem Aufwachen sofort auf mein Zimmer zurück, diesmal beobachtete ich eine Stunde lang den Zeiger der Uhr der sich quälend langsam bewegte. Anordnung der Ärztin, erklärte die Schwester dem Kollegen, die Frau Zeipelt bleibt eine Stunde bei uns. Es war ok. man passte auf mich auf und dagegen war absolut nichts zu sagen. Ruhig war es hier unten aber weniger als ich gedacht hätte.

 

Als ich wieder auf mein Zimmer kam, war meine Bettnachbarin unterwegs und ich war froh nun in Ruhe schlafen zu können. Da klopfte es auch schon wieder lauthals an der Tür und die Eltern der jungen Frau waren begeistert über die renovierten Zimmer. Nach meinem Pflichtgespräch ging die Tür im 5 Minuten Takt auf- und zu, bis ihr Bett hinausgeschoben wurde. Frau Zeipelt, sie bekommen jetzt ihr Einzelzimmer. Himmel, war ich dankbar.

 

Nachdem ich meine Narkose ausgeschlafen hatte kam mein Mann. Bisher hatte ich noch nie Schwierigkeiten nach Narkosen und so rechnete ich auch jetzt nicht damit und ließ mich von ihm auf die Toilette begleiten. Da überkam mich die erste Übelkeitswelle. Ich würgte und konnte mich kaum auf den Beinen halten, während mein Mann die Schwester aufsuchte, um nach einer Brechschale zu bitten. Das war nicht das einzige was ich bekam. Eine klare Ansage bekam ich auch noch. Keine Alleingänge mit Mann mehr!

 

Den zweiten Toilettengang machte ich dann abends mit Mann und Schwester. Dummerweise bekam ich dabei Schüttelfrost. Meine Zähne klapperten minutenlang aufeinander, während die Schwester sofort eins im Kopf hatte "Epilepsie." Obwohl wir ihr erklärten, dass dies ganz sicher kein Anfall, sondern maximal mein Kreislauf oder sonstwas war, zog sich dieser Vorfall bis zum nächsten Mittag durch alle Instanzen. Fieber gemessen wurde nun nicht mehr nur im Ohr, sondern rektal, die Schwestern schauten noch öfter als geplant herein, was mich auch nachts öfter weckte und tags ordnete der Arzt an, dass ich mit dem Bett weiter vom Fenster weg müsste, damit ich mich nicht noch zusätzlich erkälten würde.

 

4x täglich gab es Schmerzmittel, am ersten Tag noch intravenös, ab Tag 2 in Saftform. Blutdruck, Puls und Fieber wurden mehrfach gemessen. Zu jedem Pfleger- oder Schwesternbesuch gab es ein Gespräch über die alte Kollegin Lissi. Man sorgte sich also allumfassend um mich und ich fühlte mich umsorgt und geborgen.

Bereits am Operationstag bekam ich abends Suppe, am Tag danach "Normalkost." Und ich hatte keine Probleme beim Essen mehr.

 

Nach meiner "Schüttelfrostaktion" ließ der Stationsarzt mir noch einmal Blut abnehmen, um sicher zu gehen, ob er mich wirklich schon Samstag entlassen könnte. Während ich noch unsicher auf die Ergebnisse wartete, hörte ich die Stimme der Oberärztin vor meiner Tür "was macht Du denn hier?" "das ist meine Mama!" Es folgte ein Lachen, ein angeregter Austausch und in der Folge stand meine grinsende Tochter in der Tür, mit genau den Informationen, die ich mir erhofft hatte.

 

Am nächsten Tag kam der Stationsarzt mit einem Pfleger schon früh mit meinen Papieren, Spritzen fürs Wochenende und einem neuen Termin.

Zuhause pflegte meine Tochter mich vorbildlich. 2 Folgen "Hart of Dixie", 1 x aufstehen um den Kreislauf in Schwung zu bringen, 2 Folgen Hart of Dixie, 1x aufstehen usw.

Montags musste ich zum Hausarzt, Dienstag noch einmal ins Krankenhaus zur Nachuntersuchung. Alles lief wie bei jedem anderen auch.

 

Und meine Epilepsie? Mein Neurologe hatte recht, es würde keine Probleme geben, wenn man diese Kleinigkeiten wie Tagesablauf und Medikation beachtet. Und genauso war es auch.

 

Dank unglaublich netter Ärzte, fürsorglicher Schwestern und Pfleger und einer wunderbaren Familie bin ich jetzt auf dem unaufhaltsamen Weg der Besserung und werde bei der nächsten OP höchstens noch vor einem Angst haben: vor anderen Patienten (siehe letzter Blog) ;-)

 

Jedem, der eine OP in Kombination mit Epilepsie vor sich hat und deswegen verunsichert ist, möchte ich auf diesem Wege gute Besserung und alles Liebe wünschen.

 

 

 

 

Eine gute Möglichkeit sich einen Einblick zu verschaffen ...

bot der Tag des offenen OP an der orthopädischen Klinik Braunfels. Zugegeben, wir fuhren nur dorthin, weil unsere Tochter dort arbeitet und wir gerne ihren Wirkungskreis sehen wollten, waren aber tief beeindruckt. Da auf den meisten Fotos fremde Menschen sind, darf ich diese hier nicht veröffentlichen, aber einen winzigen Teil möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Die Besucher bekamen Operationsmethoden und die Instrumente erklärt, durften auch selbst Hand an legen, was ich persönlich vom Gefühl her  sehr eklig fand, auch wenn es nur Kunststoff war und an Bananen nähen "üben". Dieses Nähen sah doch sehr viel einfacher aus als es ist. Kein Vergleich mit Nadel und Faden zuhause. Meine Banane hätte auf jeden Fall keine Schönheitswahl mehr gewonnen.

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Kommentare: 5
  • #1

    Damas (Freitag, 20 Januar 2017 11:03)

    Hi Anja,
    ich finde es ganz super, dass Du eine OP in Zusammenhang mit Epilepsie darstellst. Da könnten doch einige Ängste gemildert werden.
    Deine Ärzte haben das sehr toll gemacht. Lieber 3 x öfter abfragen , als gar nicht. Was leider oft genug vorkommt. Und Deine Tochter ist ja einmalig, kannst stolz drauf sein. Ich wünsche Dir gute Genesung alles Gute und komm bald wieder auf die "Füße"
    Lieber Gruß
    Damas

  • #2

    Anja (Freitag, 20 Januar 2017 11:21)

    Danke schön :-D Und ja, ich bin sehr stolz <3

  • #3

    Dieter (Sonntag, 22 Januar 2017 11:08)

    Ha ha Anja, da hast ja eine gute "Vorbereitung" für Deine eigene OP gehabt ;-) Aber im obersten Bild bin ich mir nicht sicher, obe der "Herr" rechts nicht eine "Dame" ist. Aber Scherz beiseite, Du bist ein Vorbild für alle die Epi haben. Es ist ungewöhnlich, dass man für eine Operation positive Erfahrungen und auch Mut, Witz und Schelm herauslesen kann. Die fürsorgliche Vorbereitung Deiner Ärzte und Pleger ist ja beispielhaft, so sollte es eigentlich bei jedem sei. Is aber leider nicht. Plaudern bis zur Bewustlosigkeit :-) ich lach mich schepp.... Deine Lissi ist echt eine große Hilfe (Y) suuper.
    liebe Grüße
    Dieter

  • #4

    Anja (Sonntag, 22 Januar 2017 15:08)

    Ich habe stets den Hang mich optimal vorzubereiten, das gibt mir Sicherheit und nimmt mir persönlich Angst. In diesem Fall hatte ich natürlich einen großen Bonus durch meine Tochter. Wenn man aber die anderen Patienten hört, waren sie von den Ärzten und dem Pflegepersonal auch ganz begeistert. Das war wirklich ein guter Griff.

  • #5

    Nicole (Mittwoch, 07 November 2018 00:48)

    Hallo zusammen. Ich hab schon seit kind Anfälle erst absorcen. Und dann vor ca 6 Jahren ein status epilepticus. Und jetzt sind es sehr viele Krampfanfälle die ich bekomme ich werde bewusstlos und Krämpfe. Ich habe mich schon oft schwer verletzt. Und viel schlimmes erlebt ich hab mein Kind verloren wegen den Anfällen, Freunde hab ich auch keine lebe allein. Seid 5 Jahren hab ich keine Arbeit und die Bewertung die ich geschrieben hab nur absagen. Sie wollen kein Epilepsie kranken. Dann bin ich auch noch in Scheidung gerade. Ich hab sehr viele Anfälle. Ich hab auch oft Angst weil ich leben möchte und nicht sterben. Ich möchte diese blöde Epilepsie nicht mehr. Ich möchte auch freunde finden. Leute die mich verstehen und so. Für mich ist es schon schlimm mit den Anfälle und das es andere Leute gibt die sowas haben tut mir von ganzen Herzen weh. Warum können wir nicht alle anfall frei sein. Liebe grüße Nicole