Tattoos bei Epilepsie

Auch alte Tattoos wollen nochmal nachgestochen werden.
Auch alte Tattoos wollen nochmal nachgestochen werden.

Darf ich mich trotz Epilepsie tätowieren lassen? Diese Frage stellen sich Menschen mit Epilepsie immer wieder. Und tatsächlich kann man sie auch nicht so ohne weiteres mit Ja oder Nein beantworten. Nicht, weil es prinzipiell anfallsauslösend wäre ein Tattoo stechen zu lassen, denn das ist es nicht, sondern weil nicht alle Tätowierer so frei sind und es machen.

 

Doch kommen wir zuerst zur anfallsauslösenden Situation. Wie bei allem im Alltagsleben eines Epilepsiepatienten gibt es auch hier die ganz wenigen Patienten, die auf die interessantesten Dinge reagieren können. Wie z.B. ich auf meine hohen Töne, also ungewöhnliche akustische Reize. Andere reagieren auf nichts außer ein, zwei typische Dinge. Es ist also sehr individuell.

 

Doch ich bin anfallsfrei und darf auch wieder Auto fahren. Zudem habe ich das Glück einer Aura, spüre einen Anfall also vorab und hatte auch noch meine Tochter dabei, denn es sollte diesmal ein Mutter/Tochter Tattoo werden. Diesmal? Ja, tatsächlich bin ich keine Ersttäterin. Diejenigen die mich kennen, werden nun überrascht sein, denn meine bisherigen Tattoos kennen nur meine Freunde und Bekannten im persönlichen Umfeld, bei Auftritten waren sie immer gut versteckt, doch das dürfte nun anders werden - wenn auch dezent.

 

Da saßen wir nun, der Termin war lange ausgemacht und ich hatte vergessen die Tätowiererin über meine Epilepsie aufzuklären. Sie tätowierte gerade meine Tochter, als ich sie fragte ob sie etwas dagegen hätte wenn ich einen Blog über Epilepsie und Tätowierungen schreiben würde. Leicht erschrocken erzählte sie uns dann von einem Kindheitserlebnis und das sie Menschen mit Epilepsie aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht tätowieren würde.

Da saß der Schreck bei mir tief. Glücklicherweise war sie offen und schnell überzeugt dass sie sich in meinem Fall keine Sorgen machen musste. Und sie war einverstanden mit dem Blog.

 

Trotzdem machte ich mir so meine Gedanken über ihre Worte. Klar, ich war anfallsfrei. Ich hatte eine Aura und für den Notfall - der nicht eintreten würde, wäre meine Tochter dabei. Aber wie musste es Tätowierern gehen, die vielleicht Nicht-Anfallsfreie Patienten unter der Nadel liegen haben. Die nicht wussten was eine Aura ist. Die nicht zwischen fokalen Anfällen, Absencen und den für ein Tattoo echt übel werden könnenden Grand mals unterscheiden können. Die befürchten müssen, dass die Nadel mit Tinte abrutscht und eine sichtbare unschöne Erinnerung bleibt. Der Anfall würde niemals vergessen werden. Nicht nur für den Tätowierer. Ich verstand sie gut und ein schlechtes Gewissen schlich sich über meine große Vorfreude über diese tolle Mutter/Tochter Statement. Obwohl wir genau wussten dass ich eben noch nie einen Grand mal hatte, konnte sie den Unterschied nicht kennen. Vielleicht interpretierte ich auch wieder einmal zuviel in das Gefühlsleben anderer Menschen hinein, ich machte mir schließlich immer Sorgen um andere. Aber so bin ich eben.

 

Es war in dem Moment vergessen, als meine Tochter einen Blicke auf das halbfertige Tattoo warf und begeistert war. Nun überwog die Freude und alle Sorgen waren vergessen.

 

Ob es weh tut? Es kommt darauf an wo es ist. Kinder bekommen ist schlimmer, ein Eis essen angenehmer. Was ich beim nächsten mal machen würde?

 

Ich war in meinem Leben bei 4 Tätowierern und das war die erste Tätowiererin, bei der es überhaupt nicht blutete oder zu Wundsekret kam. Schaut Euch nach Jemandem um, der nicht zu tief sticht. Bei Freunden oder im Netz findet man viele Bewertungen.

Ich würde, wenn ich es noch einmal zu tun hätte, die Epilepsie direkt ansprechen und ggf. genauer erklären.

Eine Begleitung macht auf jeden Fall Sinn, auch für Euch.

Falls Ihr Blutverdünnende Medikamente nehmt, lasst helle Farben sein. Eins meiner Tattoos färbte sich durch Einblutungen in ein unschönes rosa. Ich nahm damals ein Antiepileptikum was blutverdünnend wirkte.

 

Viele Tätowierer lassen vor Beginn ein Blatt zu ihrer und Eurer Sicherheit ausfüllen, gebt alle Informationen wahrheitsgemäß, es ist zu Eurer eigenen Sicherheit.

 

Falls Ihr nicht anfallsfrei seid, besprecht Euren Wunsch ausführlich mit Eurem Arzt und dem Tätowierer. Erst wenn Beide kein Problem damit haben, wagt den Wunsch zum Tattoo - es gibt in diesem Falle nichts schlimmeres als ein verkorkstes Tattoo das Ihr Euch ein Leben lang ansehen müsst.

 

Und falls alles o.k. ist, für Euer "Bild für die Ewigkeit", wünsche ich Euch alles Gute und viel Spaß damit.

 

Eure Anja

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Simone (Mittwoch, 15 März 2017 12:35)

    Hallo,
    Ein richtig tolles Thema. Also ich habe mir auch, trotz Epilepsie und nicht immer Anfallsfreiheit, Tattoos machen lassen.
    Das allererste war 2013, das letzte war 2015 und da bestand gerade mal 2 Monate Anfallsfreiheit. Aber ich kenne meinen Körper so gut und habe so ein Frühwarnsystem, dass ich weiss wann ein Anfall kommt und ich Sicherheitsvorkehrungen treffen kann. Auch habe ich immer meine Notfall Tbl.mit.
    Klar das nicht jedes Studio bei Epilepsie das machen will. Verstehe ich auch irgendwie. Dann muss man es so hinnehmen. Aber ich hatte Glück meiner macht das trotz Epilepsie und geht sehr offen damit um und hat selber schon Leute diesbzgl.tattoowiert.
    Wo ich eigentlich Angst hatte vor diesem Ton was die Maschine von sich gibt und ich auf manche Geräusche etwas reagiere. Aber auch da ging gut. Auch denke ich mal es ist abhängig wie lange es dauert. Eins bei mir ging 2 Std. Auch da alles bestens. Wichtig finde ich unbedingt eine Begleitung.
    Viele sagten mir ob ich nicht genug "Probleme"habe . Tattoos und Medikamente? Na es ist erstens mein Körper und für mich ist es ein Lebensabschnitt. Die Heilung verlief perfekt.
    Jeder soll es für sich entscheiden. Tattoo mag nicht jeder. Muss ja auch nicht.

  • #2

    Pia (Dienstag, 13 Juni 2017 17:56)

    Hallo,
    danke für diesen Beitrag.
    Für mich stellt sich die Suche gerade nach einem Tätowierer ein. Das Problem ist aber eher bei mir, dass ich (Aufwach-)Grand Mal-Anfälle kriege und da ich primär generalisierte Epilepsie habe, habe ich keine Aura. Zwar bin ich medikamentös gut aufgestellt und seit neun Monaten anfallsfrei, aber der Tipp ist gut, jemanden mitzunehmen.
    Eine Tätowiererin schrieb mir, dass sie es nur machen würde, wenn ich einen Arzt mitbringe...

  • #3

    Anja (Mittwoch, 14 Juni 2017 08:46)

    Hallo Pia, das wäre vielleicht mal eine Idee für angehende Ärzte. Zusatzverdienst: Begleitdienst zum Tätowierer. Vielleicht viel interessanter als nebenbei zu bedienen oder anders nebenbei tätig zu sein um das Gehalt aufzubessern. Aber Spaß beiseite. Zu zweit macht es auch als Tätowiertem mehr Spaß und gibt mehr Sicherheit. Ich wünsche Dir ein ganz tolles Tatoo und tolles Erlebnis.