(M)eine Weihnachtsgeschichte: "Die hellste Kerze"

Als ich vor wenigen Jahren in Schwäbisch Hall eine Präsentation gezeigt hatte, bekam ich von der Leiterin ein besonders feierliches Geschenk überreicht. Es handelte sich um wunderschöne, große Kerzen, mit jeweils mehreren Dochten, gearbeitet in der dortigen Behindertenwerkstätte.

Diese Kerzen zündete ich nicht an, weil sie einfach zu schön und besonders waren. Sie standen auf einem Ehrenplatz, wo ich sie immer sehen konnte und sie mich daran erinnerten, wie besonders sie waren.

Am Heiligen Abend darauf passierte das Unfassbare. Ein Polizist wurde erstochen. Er hinterließ eine Familie. Eine Familie wie unsere. An diesem Abend hielten wir vor dem Essen inne und steckten eine dieser besonderen Kerzen für den ermordeten Polizisten und seine Familie an. Die andere Kerze fiel um und zerbrach. Ich verwahrte die Kerzenreste, denn ich brachte es nicht übers Herz sie wegzuwerfen.

Im darauffolgenden Mai war ich zu einer Präsentation in Reutlingen zu Gast, wo ich auch auf die Leiterin der SH Schwäbisch Hall traf. In ihrer Hand eine Tasche mit einer neuen Kerze für mich. Ich war total baff und freute mich sehr über diese liebevolle Überraschung.

Aus familiärem Anlass zündete ich diese Kerze am Heiligen Abend letzten Jahres an. Wieder vor dem Essen, wieder mit der ganzen Familie. Den ersten Docht entzündeten wir für die, die vor uns gegangen sind. Den zweiten Docht für ein kleines Wesen, das wie nicht kennen lernen durften. Den Dritten für Frieden auf der Welt und den vierten Docht entzündeten wir für die Babys, die in unserer Familie noch zur Welt kommen und unsere Familie bereichern würden. Es war ein unfassbar schöner Moment, wenigstens solange, bis mein Vater einen Scherz gemacht hat. Ein Docht aber, brannte heller und viel schneller als die anderen Lichter. Wir haben Fotos davon gemacht, weil es so ungewöhnlich war. Es war der Docht für die Babys, die noch kommen würden. Eine Ankündigung? Zufall? Oder gibt es eine ganz einfache logische Erklärung? Ich kann es nicht beantworten, aber irgendwie liebe ich es, an ein kleines Weihnachtswunder zu glauben. Nach Weihnachten sammelte ich die Wachsreste wieder ein und legte sie zu den Resten des Vorjahres.

 

Gestern habe ich diese besonderen Kerzenreste zu neuen Kerzen geschmolzen. Meine Adventskerzen sind nun etwas ganz Besonderes. Symbole für Erinnerungen, Hoffnung und Frieden. Und tatsächlich auch Symbol für unser Weihnachtswunder. Denn wenn die vierte Kerze brennt, sitzen wir unter dem Weihnachtsbaum und freuen uns auf den wundervollen Nachwuchs, der nächstes Jahr das Licht der Welt erblicken wird. Und uns daran erinnert, dass Hoffnung heller leuchten kann als jede Dunkelheit. A.D.-Z.