Epilepsie in Zeiten des Coronavirus

Störche auf der Reise. "Vogelfrei" und überall gerne gesehen, da könnte man fast neidisch werden.
Störche auf der Reise. "Vogelfrei" und überall gerne gesehen, da könnte man fast neidisch werden.

Monate ist es her, als ich zum letzten mal einen Blog geschrieben habe. Genau genommen sind es drei Monate. Mein letzter Blog war meine begeisterte Weihnachtsgeschichte, voller Hoffnung und Dankbarkeit für die rosige Zukunft, die uns erwarten sollte. 

 

Danach erschien mir jedes Thema das mich umtrieb, zu banal, zu individuell, zu sehr auf meine Situation zugeschnitten, als dass es Euch interessieren könnte. Ich wartete auf ein Thema, das uns in der Mehrheit interessiert. Ein Thema, das uns Alle angeht. Und tatsächlich bekam ich dieses Thema, das uns alle angeht und ich wünschte, dass ich genau das nicht bekommen hätte. Aber jetzt ist er nun mal da, unser aller Coronavirus, und wir müssen unseren Alltag neu lernen!  

 

Wir erinnern uns sicherlich daran wie es anfing, als es noch weit weg in China begann und sich dann ganz langsam Richtung Europa schlich. Ich weiß noch genau, wie wir mit unserer schwangeren Tochter zusammen saßen und uns sorgten, weil der werdende Papa im März nach China reisen sollte. Und wie glücklich wir waren, als er uns mitteilte, dass er dies nicht riskieren wolle. Corona war damit für uns wieder weit weit weg. Weit weg und unbegreiflich, in einem fernen Land, fern von uns und unserem sicheren Alltag. Und dann, scheinbar über Nacht, war es wieder da und diesmal ist es überall.

 

Täglich bekamen und bekommen wir neue Berichte und neue Erkenntnisse. Während Viele da draußen noch Partys feierten, saßen chronisch Kranke teilweise verunsichert und auch stocksauer auf die Ignoranten Zuhause und machten sich Sorgen. Mittlerweile hören wir, dass Epilepsiepatienten keiner erhöhten Gefahr unterliegen**, aber Einige von uns haben nicht nur Epilepsie, sondern gehören durch ihre weiteren Erkrankungen wie, Asthma, Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen usw. zu der gefährdeten Gruppe. 

 

Ich bin auch so ein Fall, mein Asthma nervt mich in diesem Winter so schlimm wie seit Jahren nicht und natürlich habe ich so gar kein Interesse an diesem vermaledeiten Virus. Aber mir ist klar, dass viele Epis sich, auch ohne zu einer Risikogruppe zu gehören, große Sorgen machen, denn Ängste sind nicht immer steuerbar, schon garnicht, wenn man mit einer sowieso schon nicht steuerbaren Erkrankung wie Epilepsie lebt.

 

Also habe ich mir überlegt, wie ich meine Ängste in den Griff bekommen kann und wie ich Euch damit vielleicht, eventuell, wenn alles gut läuft, ein klitzekleines bisschen Humor und Hoffnung geben kann. 

 

Versuch Nr. 1: Ich bin noch jung! –  Meine Kinder würden jetzt grinsen. Ja, gegen einen 70jährigen bin ich noch jung. Ein 17jähriger würde mich wohl als uralte Frau bezeichnen und beim Robert-Koch-Institut zähle ich jetzt auch zu den Älteren (Ältere ab 50-60 Jahre steht dort neuerdings). Versuch 1 ist also – gescheitert!

 

Versuch Nr. 2: Mein Augenmerk auf unsere (wirklich) Jungen lenken. Mein Sohn ist, wie man das jetzt nennt, systemrelevant und werdender Vater, die Schwiegertochter damit logischerweise schwanger, meine Tochter schießt den Vogel ab – systemrelevante Krankenschwester, schwanger und hinter der Schweizer Grenze.  Der Versuch, mein Augenmerk nur noch auf unseren- und den erwarteten Nachwuchs zu richten, war damit zu Anfang auch echt gut gelungen, ich hatte meine eigene Angst vor Corona völlig vergessen, aber die Sorge um unsere Jungen trieb plötzlich solche Blüten, dass ich einen Anfall bekam. – Also, auch dieser Versuch gilt als gescheitert.

 

Versuch Nr. 3: Telefonieren. Ich telefonierte hier und telefonierte da, freute mich über den Kontakt und hörte dabei viele, viele Sorgen, aber auch Haarsträubende Geschichten. So Hanebüchen, dass ich mir noch mehr Gedanken machte. Versuch 3 war also nur bedingt etwas wert. Telefonieren mit Zeitlimit ginge vielleicht. Einen Versuch ist es allemal wert. Wie lange braucht man für „Hallo, ich bins. Geht’s Euch gut? Bleibt gesund! Tschüßchen … ?“ Fazit: ausgedehntes Telefonieren ist für mich persönlich- gescheitert!  

 

Versuch Nr. 4: Schreiben. Tatsächlich ist dies hier mein X-ter Versuch etwas zu „Papier“ zu bringen. Vorgestern habe ich drei geschlagene Stunden vor meinem Monitor gesessen und die erste Zeile angestarrt, die mir, übrigens maximal unkreativ, als Einleitung eingefallen ist. Mein Kopf war leer und voll zugleich. Zu gebrauchen war jedenfalls nichts davon. Irgendwann wurde der Bildschirm schwarz und ich musste mir eingestehen – Versuch vorerst, wegen Schreibblockade, gescheitert.   

 

Versuch Nr. 5: Alle Videos, Bildchen und Grüße lesen, die mich über Facebook, Whatsapp und Mail erreichen. Nach einer Stunde schwirrte mir der Kopf und ich musste meinen Handyspeicher aufräumen. Dabei fiel mir wenigstens auf, dass ich noch keine externe Speicherkarte ins Gerät gesteckt hatte. Außerdem hatte ich am Ende des Tages wieder Schulterschmerzen. Versuch also auch diesmal- gescheitert – mit dem Entschluss, dass ich keine Videos, Bildchen und sonstigen „Grüße“ mehr lesen werde. 

 

Versuch Nr. 6: Gassi (Spazieren) gehen. Die bisher beste Lösung für mich. Ein Hoch auf das Landleben, denn wir sind recht zügig im Grünen. Bei dem momentan herrschenden Sonnenschein ist spazieren gehen wirklich der Inbegriff von Ablenkung und Zufriedenheit. Die Sonne im Gesicht, der Wind auf der Haut und die aufbrechende Natur um uns herum, was will Mensch mehr? Wir beobachteten sechs Störche, die wir bei dem Kindersegen in unserem Heimatort alle gut gebrauchen könnten. Und vier Rehe kennen uns beinahe schon mit Namen. Kurz, es ist herrlich. Wenn man die Spaziergänge so richtig schön ausdehnt, hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Man hat die Zeit herumgebracht und schläft auch noch besonders gut. Übrigens sieht der Himmel, ohne die vielen Kondensstreifen, doppelt so schön aus. 

 

Manche Menschen bekommen ihre besten Ideen ja tatsächlich draußen in der Natur, Andere auf der Toilette. Wo ich meine besten Ideen bekomme, das werde ich Euch nicht verraten, aber ich verrate Euch was mir dabei eingefallen ist. Die Idee ist nicht besonders kreativ, aber nützlich. Ich habe eine To-do Liste angelegt, die mich durch die nächsten Wochen bringen soll. Dieser Blog-Artikel stand genauso drauf, wie ein Tagebuch mit Ideen zum Zeitvertreib. Ersteres habe ich hiermit umgesetzt, bei Zweitem bin ich noch sehr unschlüssig, ob es dafür überhaupt genug Interesse gibt. Ich lasse mich selbst überraschen, was daraus wird. 

Heute jedenfalls ist mein Programmpunkt ein sehr spannender, denn ich bin etwas aus der Übung. Ich möchte etwas malen. Ein Kinderbild steht auf der Agenda, mal sehen, ob es was wird. 

 

Zusätzlich steht darauf:

- Liebe Grüße an meine Kunden schreiben – ich vermisse sie wirklich!

- Noch etwas malen, schließlich kommen zwei Enkelzwerge. Ich schwitze und zittere jetzt schon. Ideal für Farbe und Pinsel ...

- Im Garten Sträucher schneiden. Aber erst, sobald die kalte Ostluft weg ist. Die winterliche Arbeitshose geht leider nicht mehr zu … 

- Räumen und sortieren. Räumen und sortieren und nochmal räumen und sortieren. Hier sah es noch nie so chaotisch aus wie jetzt! 

- Ein neues Layout für mein Aquarium entwerfen, falls das Aquarium mal wieder zum Einsatz kommt, wäre ich vorbereitet.

- Vielleicht doch noch einen Blog schreiben. Eventuell sind Wechseljahre ja doch interessant, besonders für die Männer …

- Und natürlich das schwerste To Do – die Steuererklärung, uff

 

Habt Ihr auch tolle, aufregende Ideen zum Zeitvertreib? Ich bin gespannt auf Eure Ideen ... 

 

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**Wir wissen mittlerweile, dass alles zum Thema Coronavirus nur Momentaufnahmen des jeweiligen Tages, bzw. der Daten bis zu diesem Moment sind. Auch Risikogruppen wurden stets aktualisiert. Bitte informieren Sie sich über alles, was das Virus betrifft, unter folgenden Links: Schweizerische Epilepsieliga, Deutsche Gesellschaft für Epilepsie oder, stets aktuell beim Robert Koch Institut 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dieter (Mittwoch, 25 März 2020 13:43)

    Hallo Anja,
    eigentlich habe ich gerade einen Blog über dieses Thema angefangen :-) aber so ist es auch gut. Brauche ich schon nicht mehr lange meine grauen Zellen anstrengen (grins).
    Tja in dieser Zeit sitzen wir alle in einem Boot (weltweit) und die Steuermänner sind alle verantwortlichen Gesundheitsbehörden und Regierungen. Ich wollte nicht an deren Stelle stehen, denn Corona ist unerforscht und deswegen kann man da keine plausiblen Aussagen machen.
    Aber Mut machen kann ich, schiebt keine Panik, freut Euch über die blühenden Wiesen (auch die Störche). Schätzt nun Eure Lieben noch mehr, jetzt habt Ihr ja Zeit und geht in die frische Luft.
    Wenn mir langweilig wird, lese ich ein Buch (sehr zu empfehlen) da kommt man auf bessere Gedanken. Denn Angst, Schwermut oder Hamsterkäufe sind ganz schlechte Wege. In jedem von uns allen steckt ein Künstler, ich z.B. versuche kreativ zu werden. Keller aufräumen, Bühne aufräumen usw. man glaubt ncht was man da alles entdeckt. Fotoalben von früher anschauen, Würfelspiele mit der Familie.....es gibt so viele Möglichkeiten die man schon vergessen und vernachlässigt hat. Ich freue mich über unsere Nachbarn, sie sorgen sich und bieten ihre Hilfe an (einkaufen, Arztbesuche oder kehren). Das macht Freude und man wird auch demütig. Die kleinen Sachen sind wichtig, Zusammenhalt, Liebe und Zufriedenheit. Das bekommt man kostenlos . Bleibt alle gesund Dieter