Auszug aus meinem, noch namenlosen, Thriller

Leise klopfte Christine an die offen stehende Zimmertür und ging beinahe lautlos näher. Ihr Mann saß in sich zusammen gesunken, unruhig schnarchend in einem Sessel direkt beim Fenster und hörte weder Christine noch die Krankenschwester eintreten, die seiner Mutter die Flasche am Tropf tauschte. Christine lehnte sich ans Fenster und sah auf ihre Schwiegermutter herab. Dort lag sie nun, still und unbeweglich, und nur die steilen Falten auf ihrer Stirn verrieten was für ein Biest dort lag. Heras schwarze Haare hingen in wirren, platt gedrückten kurzen Locken um ihren Kopf und zwischendrin konnte man noch die verklebten Reste, von geronnenem Blut, erkennen. Ihre dicken Arme lagen auf ihrem Bauch und die Hände waren, wie zu einem Gebet, gefaltet. „Welch blanker Hohn“ dachte Christine, „diese Frau glaubte höchstens an die Bosheit selbst, aber ganz gewiss nicht an irgendein Wesen das man anbeten würde“.

Das war die einzige Genugtuung die Christine blieb, der Glauben daran, dass dieser Frau der Zutritt zum Paradies verwehrt sein würde. „Wenn diese Frau in die Hölle kommt, bricht dort die Eiszeit aus“ Christine fuhr erschrocken herum als Thomas verschlafen fragte: “Was? Was hast Du gesagt?“ “Nichts, mein Liebling, rein gar nichts, ich habe wohl nur laut gedacht!“ „Ach so“ murmelte Thomas, während er sich streckte, um seine Glieder zu lockern. „Komm doch mal her mein Schatz“, sagte Thomas zärtlich, fasste seine Frau an der Hand und zog sie sanft zu sich auf den Schoß. Christine schmiegte sich eng an ihn und stellte sich den vernichtenden Blick ihrer Schwiegermutter vor, wenn sie das jetzt sehen könnte. „Dies würde ihr den Rest geben“ dachte Christine und konnte sich eines hämischen Lächelns nicht erwehren. Auf irgendeine groteske Weise reizte sie die Situation und sie begann Thomas durch das braune, dichte Haar zu streicheln, mit gespreizten Fingern genüsslich die halblangen, seidigen Strähnen zu kämmen. Thomas seufzte und schloss die Augen. Seit Tagen saß er nun hier an diesem Krankenbett und wäre doch lieber ganz woanders. Sein Pflichtgefühl gegenüber seinem Vater hielt ihn hier am Bett der Mutter. Das, und der Moment, wo seine Mutter erwachen und erzählen würde was mit ihr geschehen war. Nicht, das es wirklich eine Rolle spielte, aber bei Gewalteinwirkung kamen die Behörden doch schon einmal auf dumme Gedanken und das wollten sie unter allen Umständen verhindern. Zumal seine Mutter alles Erdenkliche tun würde, um Christine aus dem Weg zu räumen.

 

Christine, seine Christine, die einzige Frau, die er jemals geliebt hatte. Er blickte zu Christine hinauf und lächelte. Sie war so eine warmherzige Frau, mit ihren samtig braunen, sanften Augen und ihrem lieben Lächeln. So sanft, dass sie keiner Fliege etwas zuleide tun könnte.  Dessen war er sich immer bewusst ...


...Hera strich liebevoll über die scharfe glänzende Klinge während ihr der Wind durch das geöffnete Fenster durch das Gesicht strich. Sie bemerkte es nicht, genauso wenig wie sie den Duft der Gladiolen bemerkte die auf dem Tisch in der Mitte des kahlen Raumes standen. Die langen rose‘ farbenen Vorhänge flatterten in den Raum und spiegelten Heras Seele wieder. Unberechenbar war sie, unberechenbar und bedeutungslos.
Hera sah von ihrem Messer auf und der gefesselten Person, im Stuhl vor ihr, ins Angst erfüllte Gesicht. „Bitte“, schien die Person sagen zu wollen, „bitte nicht,“ doch die Angst schnürte ihr ganz offensichtlich die Kehle zu und so sah Hera nur verächtlich, wie sich der Mund ihres Opfers, erneut, bei dem verzweifelten Versuch um Hilfe zu schreien, öffnete und schloss. In den Augen ihres Opfers stand die nackte Angst, und noch etwas konnte man in diesen Augen sehen. Augen voller Wahn, blankem Wahn. Heras Augen spiegelten sich darin, Hera die sich dicht vor die Augen seines Opfers beugte um keine Gemütsregung zu verpassen. Sie wollte sehen wie ihr Opfer litt. Wenn sie es wegen der Sprachlosigkeit schon nicht hören konnte, wollte sie es wenigstens sehen.
Hera streckte langsam die faltige Hand aus und strich ihrem Opfer zärtlich über die linke Wange. Diese zarte Geste war bizarr, krank. Und noch während ihr Opfer Heras Hand verwirrt anstarrte, schnitt sie, genauso zärtlich, mit der Klinge ihres scharfen Messers über die rechte Wange ihres Opfers. Rotes, unschuldiges Blut trat aus der Wunde und lief erstaunlich langsam über die Wange, den Kieferknochen und dann den langen Hals hinunter. Erneut, ganz langsam kam die Klinge auf das linke Auge des Opfers zu und während seine Augen sich entsetzt weiteten, lächelte Hera beinahe sinnlich, während sie das Messer am Unterlid ansetzte und mit etwas mehr Druck sanft nach unten strich. Diesmal kam das Blut schneller. Vermischt mit salzigen Tränen lief es dem Opfer so schnell in den Mund, das selbst Hera überrascht war als sich ein krächzender, entsetzter Ton, aus der heiseren Kehle, seines Opfers löste.
„Wir wollen doch jetzt keinen Krach machen, mein Schatz, oder?“ Sie würde zu verhindern wissen, dass man sie entdeckte. Langsam ergriff sie die Zunge seines Opfers mit der linken Hand während sich ihre Rechte enger um das Heft des Messers schloss…
Herlinde lag bewegungslos im Bett und niemand konnte ahnen, dass es in ihrem Hirn vor Aktivität nur so strotzte. Sie war voller Hass, Hass und ungehemmter Wut und sie lebte nun alles aus, was sie sich immer vorgestellt hatte....